Angemessene Unterbringung für Geflüchtete

Ein Menschenrecht, das systematisch missachtet wird

Geflüchtete Menschen machen auf ihrer Flucht an vielen Stationen halt. Einer der Aspekte, der dabei den wohl größten Einfluss auf ihre Lebensumstände hat, ist die Unterbringung. „Jeder Mensch hat das Recht auf angemessenen Wohnraum.“ So steht es in Art. 11 des internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der Vereinten Nationen.[1]

Ein ausgehöhltes Recht

Dennoch werden zahlreiche Menschen auf der Flucht auf ihrem Weg sich selbst überlassen. Häufig wird ihnen trotz ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit keine angemessene Unterbringung zur Verfügung gestellt – und das nicht nur außerhalb von Europa. Ob im Wald zwischen Polen und Belarus oder an der Grenze in Kroatien. An zahlreichen europäischen Außengrenzen harren Menschen trotz ihres Rechts auf angemessenen Wohnraum bei Kälte und Hitze im Freien aus. 

Unterbringung in Lagern

Alternativ werden Menschen in sogenannten Flüchtlingslagern untergebracht. Laut einer Schätzung des UNHCR lebten im April 2021 rund 6.6 Millionen Menschen in solchen Camps überall auf der Welt. Doch auch in diesen können die Wohnverhältnisse keinesfalls als angemessen gelten. Die Geflüchteten selbst und verschiedene NGOs berichten immer wieder von Unterbringungen, die dem Wetter nicht standhalten, schlecht ausgebauten Sanitäranlagen, vergammeltem Essen und physischer und psychischer Gewalt. 

Die Unterbringung von Geflüchteten in Lagern ist also alles andere als ideal und darf nur eine Übergangslösung sein. Da Asylprozesse in Europa aber schon seit Jahren in die Länge gezogen werden, sind solche Lager integraler Teil eines Systems, das die Menschenrechte von Geflüchteten weitgehend missachtet. Um etwas an der grundsätzlichen Unterbringung von Geflüchteten in Lagern zu ändern, muss sich also der Umgang mit geflüchteten Menschen insgesamt verändern. Wir müssen endlich weg von einem System der Abschreckung und Tatenlosigkeit und hin zu einem menschenrechtsbasierten Umgang mit Menschen auf der Flucht!

Und bis dahin?

Eine zentrale Frage ist: Was passiert bis dahin mit den Menschen an den Außengrenzen und in den Camps? Wie können wir ihre Lebenssituation zum Positiven verändern? Es kann keine Alternative sein, die Menschen allein zu lassen, bis die Staaten endlich Verantwortung übernehmen. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche NGOs, teilweise auch in den Lagern oder an den Grenzen, die die Situation der Menschen vor Ort konkret verbessern wollen. 

Gleichzeitig sollte es auf lange Sicht unser Ziel sein, uns und die Arbeit von anderen NGOs an den Außengrenzen überflüssig zu machen. Es ist und bleibt eine staatliche Aufgabe und Pflicht dafür zu sorgen, dass die Menschenrechte eingehalten werden. Dazu gehört insbesondre auch die Pflicht, eine angemessene Unterbringung für Schutzbedürftige bereitzustellen.

Neben der direkten Hilfe und der bestmöglichen Unterstützung einzelner Menschen ist es auch die Aufgabe von NGOs, immer wieder auf die Missstände und das staatliche Versagen an den Grenzen und in den Lagern aufmerksam zu machen. Auch ihr könnt diese Rolle übernehmen. Helft, wo Hilfe nötig ist, und schafft Aufmerksamkeit dafür, dass eure Hilfe eigentlich nicht nötig sein sollte.

Quellen

  1. Deutsches Institut für Menschenrechte (o.J.): Recht auf Wohnen. (Link PDF)
  2. Devlin et al. (2021): Praktiken der (Im-)Mobilisierung: Lager, Sammelunterkünfte und Ankerzentren im Kontext von Asylregimen.
  3. UNHCR (o.J.): Refugee Camps Explained.

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