VOLONETERSTVO-UKRAINER*INNEN FÜR UKRAINER*INNEN

Ausgangssituation zum Projekt

Im Sommer 2022 waren wir alle mit dem russischen Angriffskrieges auf die Ukraine konfrontiert. Es mussten Stand Ende August bereits rund 11.536.470 Ukrainer*innen ihre Heimat verlassen und Schutz in den Nachbarländern suchen. In Deutschland wurden zu diesem Zeitpunkt bereits 967.635 Geflüchtete aufgenommen. 32.257 Kinder aus der Ukraine besuchen deutsche Schulen in NRW. Die Kriegsereignisse und die Fluchterfahrung belasten die Betroffenen, während sie ihren Alltag bewältigen und sich einleben und in einer neuen Umgebung zurechtfinden. Vor allem fehlt es ihnen an festen Tagesabläufen, Beschäftigungen und Aufgaben, denen sie vor der Flucht nachgegangen sind. In Moment herrscht eine große Unsicherheit darüber, wann der Krieg beendet wird und die Menschen in ihre Heimat zurückkehren können. Viele Ukrainer*innen mussten ihre Familie, Verwandte, insbesondere Ehemänner, Söhne und Väter zurücklassen. Ungewissheit über die eigene Zukunft führt zu innerer Unruhe und zu Stress. Umso wichtiger ist es die geflüchteten Ukrainer*innen in der Gesellschaft schnell aufzunehmen und ihnen die Möglichkeit zu geben, in der Gesellschaft teilzuhaben und die eigene Gegenwart und Zukunft wieder aktiver mitzugestalten.

Warum Ehrenamt?


Ehrenamt bietet den Ankommenden die Chance Selbstwirksamkeit an Stelle von Ohnmacht treten zu lassen. Zur positiven Wirkung des Ehrenamts gibt es viele Belge. So fördert Ehrenamt den zwischenmenschlichen Austausch und aktiviert das Sozialkapital, das zur Selbstverwirklichung führen kann. Außerdem wird ehrenamtliches Engagement als „sinngenerierende Form der Freizeitgestaltung“ bezeichnet. Darüber hinaus bestätigen mehrere Studien, dass die Unterstützung anderer Menschen Glückshormone freisetzt und Stresshormone reduziert. Des Weiteren ist es ein wichtiger Aspekt zu Demokratieförderung, und Teilhabe, denn durch die Handlungen wird die Gesellschaft mitgestaltet und verändert. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass das Ehrenamt Zugang zu weiterer beruflicher Entwicklung bietet.

Ehrenamtliche bei uns

Wir – Signal of Solidarity e.V. – bauen schon lange auf die Potentiale freiwilligen Engagements und haben auch in Witten im Projekt Signal of Youth bereits die Zusammenarbeit mit drei ehrenamtlichen Ukrainerinnen in unserem Projekt, dass sich ebenfalls an ukrainische Kinder- und Jugendliche richtet, verwirklichen können. Die betroffenen Frauen berichten uns bereits von positiven Auswirkungen auf ihr Leben in Deutschland. Indem sie sich engagieren, haben sie das Gefühl an der Gesellschaft teilhaben zu können und außerdem eigenes Potenzial zu nutzen, um anderen Geflüchteten helfen zu können. Sie erfahren Wertschätzung für ihre Arbeit und haben auf diese Weise die Chance, den Aufgaben nachzugehen, mit denen sie sich bereits in ihrer Heimat beschäftigt haben. Dies gibt ihnen einen Teil der gewohnten Normalität wieder. Auch Teilnehmerinnen des Projektes profitieren von den engagierten Ukrainerinnen, denn sie können in einer vertrauensvollen Atmosphäre in ihrer Muttersprache kommunizieren und fühlen sich verstanden. Aus diesen Gründen erscheint es uns besonders wertvoll die Ukrainerinnen in unsere Projekte und Angebote weiter einzubinden.

Signal of Youth – Kein Plan-Planer für Ukrainer*innen

Das Projekt, das von drei ehrenamtlichen Ukrainerinnen begleitet wird, ist als Reaktion auf die aktuelle Situation entstanden. Im Rahmen des Projektes Signal of Youth konnten wir das “Kein Plan-Planer Projekt”, das wir bereits für deutschsprachige Teilnehmer*innen anbieten, ebenfalls für die geflüchteten Kinder und Jugendliche aus der Ukraine umsetzen. Die Teilnehmenden gestalten eigene Planer/Journals, die später gebunden werden. Wir kommen dadurch über Gefühle, Selbstfürsorge und Pläne ins Gespräch, lernen digitale Medien kennen und haben Spaß. Die Jugendlichen gestalten die Planer digital mit Hilfe der Designplattform Canva. Die Planer haben unterschiedliche Schwerpunkte, die individuell
festgelegt werden, wie Motivationsplaner, Freizeitgestaltung, Wochenplaner, Tagebuch, Kalender… etc. und bieten Platz für Reflexion, Kreativität und Ich Stärkung. Alle nötigen Materialien werden unsererseits den Teilnehmenden gestellt. Zusätzlich bieten wir regelmäßig Ausfluge für unsere Teilnehmer*innen an und haben gemeinsam viel Spaß! Mehr Infos zum Planer Projekt hier

Kooperation Wolja e.V. mit Signal of Solidarity e.V.

Kurz nach dem Kriegsbeginn haben sich Frauen mit ukrainischen Wurzeln, die bereits in Deutschland leben, zusammengeschlossen und mit vereinten Kräften die Geflüchteten, wo es nur ging, unterstützt. Um die Hilfe und Unterstützung effizienter und organisierter gewährleisten zu können, wurde am 5. April 2022 der Deutsch-Ukrainischer Kulturverein „Wolja e.V.“, bestehend aus ehrenamtlichen Helferinnen, gegründet. Zurzeit besteht das Hauptanliegen des Vereins darin die Ukrainer*innen bei Behördengängen zu unterstützen, sie zu beraten, kulturelle Veranstaltungen zu organisieren und dadurch Begegnungen zuschaffen und das Gefühl von Heimat und Sicherheit zu vermitteln. Der Verein kooperiert bereits mit dem JobCenter und hat einen Telegramm Kanal für alle Ankommende erstellt. Bei Telegramm wird die Zielgruppe, geflüchtete Ukrainer*innen, mit allen wichtigen Informationen versorgt und Fragen können schnell beantwortet werden. Da der QR-Code für den Telegramm-Kanal beim JobCenter Witten ausliegt und direkt an alle Ukrainer*innenweitergegeben wird, sind bereits 555 Personen dem Kanal beigetreten. Dadurch ist eine schnelle Kommunikation möglich sowie eine große Reichweite und Verteilung von Angeboten für geflüchtete Ukrainer*innen gegeben. Im Kontakt mit den Geflüchteten haben wir bereits mehrmals den Wunsch nach Partizipation wahrgenommen. Die Ukrainer*innen möchten ihre eigenen Ressourcen nutzen, einer Beschäftigung nachgehen und auf diese Weise Strukturen schaffen, in denen sie selber etwas bewirken können. Gemeinsam möchte Wolja e.V. den geflüchteten Ukrainer*innen deshalb die Möglichkeit geben aktiv zu werden und sie darin bestärken sich gegenseitig zu unterstützen und ehrenamtliche Potentiale zu nutzen

Projekt: Volonterstvo – Ukrainer*innen für
Ukrainer*innen

Zwischen dem 01.09.2022 und dem 31.12.2022 haben wir mit vereinten Kräften und mit Hilfe der Deutschen Stiftung Engagement und Ehrenamt Strukturen geschaffen, in denen 17 Ukrainer*innen in ihr ehrenamtliches Engagement finden konnten und damit in 11 Projekten 127 geflüchtete und nicht geflüchtete Menschen in und um Witten mit Angeboten in Form von Kursen, Freizeitveranstaltungen und Workshops erreichen konnten. Als Vereine – Signal of Solidarity e.V. & Wolja e.V. – waren wir in Witten bereits gut vernetzt und konnten verschiedene Räumlichkeiten, wie das Jugendzentrum Treff* in der Wittener WERK*STADT nutzen, ebenso wie unsere eigenen Räumlichkeiten in der Mode- und Lernwerkstatt nouranour Projekte anbieten. Das Projekt wurde durch Projektleitung Kristina Gusseva & die Ehrenamtskoordinatorin & Vorsitzende des Wolja e.V. Nataliya Koshel professionell begleitet, umgesetzt und evaluiert. Beide sind innerhalb der ukrainischen Community in Witten gut vernetzt. Über Aufwandsentschädigungen und Übungsleiterpauschalen haben wir auch den engagierten Ukrainer*innen, die die Angebote schaffen, eine finanzielle Wertschätzung für ihr Engagement zukommen lassen. Für uns ist die Nutzung dieser steuerfreien und auch neben Sozialhilfe möglichen Vergütungsstrukturen eine wichtige Möglichkeit ehrenamtliches Engagement aufzuwerten und in der Gesellschaft insgesamt noch attraktiver zu machen.

Ausblick & Hintergrund

Unser Verein fördert bereits seit 2015 nachhaltige ehrenamtliche Strukturen in der Hilfe für Geflüchtete. Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der sich jeder willkommen fühlt und das eigene Leben selbstbestimmt gestalten kann. Das beginnt damit in Deutschland und Europa sicher anzukommen, versorgt zu werden und sich sicher fühlen zu können. Darüber hinaus wollen wir unsere Gesellschaft hier in Deutschland mitgestalten und Möglichkeiten für hier ankommende Menschen verbessern. Das Engagement des Wolja e.V. und der engagierten Ukrainer*innen hat sich bereits verstetigt und es sind 2023 bereits spannende neue Projekte in beiden Vereinen entstanden, in denen sich auch das Engagement der Ukrainer*innen verstetigt hat. Engagierte Menschen haben selbst oft die besten eigenen Projektideen und tragen diese zurück in Vereinsstrukturen (so sind alle unsere Projekte entstanden). Auch in diesem Fall sind es die Ressourcen und Ideen der Zielgruppe selbst, die gute Angebote für die eigene Community zu schaffen.

Eindruck der Workshops & Angebote im Projekt

Logo von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt