Lesbos

Lesbos, eine griechische Insel nahe des türkischen Festlands, ist während der letzten Jahre immer wieder zu einem Haupt-Anlaufpunkt für zahlreiche geflüchtete Menschen auf dem Weg in die Europäische Union geworden. Doch ihre Hoffnung auf Schutz in Europa werden zumeist nicht erfüllt. Überfüllte Lager, chaotische Zustände und Pushbacks in die Türkei bestimmen den Alltag. Damit steht Lesbos emblematisch für die Situation an zahlreichen Orten an den europäischen Außengrenzen.

Die Insel

Der Weg von der Türkei über das Mittelmeer nach Griechenland ist eine der Hauptfluchtrouten in die Europäische Union. Die Insel Lesbos direkt vor der türkischen Küste ist seit 2015 einer der wichtigsten Anlaufpunkte für geflüchtete Menschen auf dieser Route. Lesbos ist mit rund 86.000 Einwohner*innen (Stand 2011) die drittgrößte Insel Griechenlands. In den ersten Monaten von 2022 sind bereits 488 Menschen von der Türkei aus in Griechenland angekommen, 122 davon auf Lesbos. 

Risikoreiche Suche nach Schutz

Wenngleich die Anzahl der ankommenden Menschen durch den EU-Türkei-Deal in den letzten Jahren tendenziell gesunken sind, kommen also noch immer Geflüchtete in Schlauchbooten auf Lesbos an. Generell nehmen die Menschen, die über das Mittelmeer nach Griechenland kommen, ein großes Risiko auf sich. Immer wieder ertrinken Menschen auf der gefährlichen Überfahrt. 

Wirklich sichere Fluchtwege in die EU gibt es bis heute nicht. Die Mittelmeerroute ist eine der tödlichsten Fluchtrouten der Welt. In den letzten Jahren sind zahlreiche Menschen auf ihrem Weg nach Griechenland umgekommen oder werden vermisst. 

Das Lager „Moria“

In Folge der Geschehnisse im Jahr 2015 errichtete die griechische Regierung in Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Organisationen wie dem UNHCR das Lager Moria. In dem Camp, das für etwa 2.800 Menschen ausgelegt war, wohnten zeitweise bis zu 20.000 Menschen in Zelten und provisorischen Unterkünften. Die Umstände waren katastrophal. Die Menschen waren dem Wetter ohne richtigen Schutz ausgesetzt. Viele litten an physischen und psychischen Krankheiten, die Gesundheitsversorgung war völlig unzureichend.

Im September 2020 zerstörte ein Großbrand das Lager Moria fast vollständig. Mittlerweile werden viele geflüchtete Menschen auf Lesbos in einem neuen, militärisch geleiteten Camp untergebracht. Dieses liegt etwa fünf Kilometer von der Hauptstadt Mytilini entfernt. Die Menschen sind isoliert, dürfen das Camp oft nicht verlassen. Die neuen Unterkünfte sind zwar langlebiger und bieten mehr Privatsphäre und Sicherheit, dennoch sind sie unzureichend isoliert. 

Lesbos steht beispielhaft für das, was an den Außengrenzen passiert.

Viele Probleme auf Lesbos bestehen auch nach dem Brand in Moria und der Errichtung eines neuen Camps weiter fort. Dabei stehen das nach wie vor überfüllte Lager, die chaotischen Zustände, die insgesamt schlechte Versorgung und die Pushbacks in die Türkei emblematisch für die Situation an zahlreichen Orten an den europäischen Außengrenzen.

Auf Lesbos verrät die EU ihre Werte. Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichstellung, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte für alle – aber nicht für die geflüchteten Menschen auf Lesbos. „Es darf kein zweites Moria geben“, hatte die zuständige EU-Kommissarin Johansson nach dem Brand gesagt. Die Wahrheit ist: Es gibt kein zweites Moria. Es gibt ein drittes, ein viertes, ein zehntes – überall in Europa und nach wie vor auch auf Lesbos. 

Quellen 
UNHCR, Operational Data Portal, Februar 2022
Link: https://data2.unhcr.org/en/situations/mediterranean/location/5179


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One response to “Lesbos”

  1. […] Seán und Nassos arbeiteten als freiwillige Such- und Rettungshelfer*innen auf der Insel Lesbos. Die griechischen Behörden werfen ihnen, wie auch anderen humanitären Helfer*innen in Europa, nun […]

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