Hate-Speech

Wie ihr euch dagegen positionieren könnt

Hass und Vorurteile begegnen uns im Internet und in der Realität immer wieder – gerade wenn über geflüchtete Menschen gesprochen wird. Es lässt einen immer wieder sprachlos, betroffen und wütend zurück, wie Menschen sich verhalten und wie massiv sie andere beleidigen und respektlos behandelt. Dabei ist Sprachlosigkeit gerade das, was nicht passieren sollte, denn nichts zu sagen, lässt die Betroffenen allein. Wie kann man sich aber gut gegen Hate Speech in Position bringen, ohne selbst beleidigend zu werden? Wir stellen das Konzept von Counter Speech, eine proaktive Strategie gegen Hate Speech – vor!

Was ist Hate-Speech?

Hate Speech äußert sich in menschenfeindlicher Sprache gegenüber einer diskriminierten Gruppe, die so herabgewürdigt werden soll. Hate Speech ist sehr oft von Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Sexismus geprägt. Das Klima eines demokratischen Diskursraums wird so vergiftet; Hate Speech erhöht Diskriminierung gegenüber einzelnen Gruppen. Hate Speech kommt sowohl im politischen Diskurs als auch in digitalen und realen Räumen vor.

Counter Speech: Strategisch gegen Hate Speech

Counter Speech ist ein diskursethischer Ansatz, der zum Ziel hat, humanistische und demokratische Ideale aufrechtzuerhalten. Counter Speech hat zwei Dimensionen

  • Eine Reaktive – Parolen und Hate Speech wird widersprochen.
  • Eine Proaktive – die eigene Sichtweise wird verdeutlicht, um nicht nur Widerspruch, sondern auch Diskurs zu erzeugen.

Drei Elemente sind dabei entscheidend:

  1. Die eigene Haltung finden und klar ausdrücken können. Dabei hilft es, die eigene Position durch Herleitungen und gute Erklärungen stark zu machen.
  2. Der Ton ist wichtig, Hass bekämpfen wir nicht mit Hass. Counter Speech ist hart in der Sache, aber weich zur Person. In einer Demokratie sollten alle Personen ernst genommen & respektiert werden.
  3. Entscheidend ist auch eine eigene Sprache. Wer die Rhetorik und sprachlichen Bilder des Gegenübers übernimmt, reproduziert sie ungewollt. 

Eigene Argumente finden

Ein gutes Argument ist eine Behauptung, die mit einer nachvollziehbaren Erklärung gestützt wird. Die Erklärung ist dabei der Beweis zur Behauptung und muss wahr und relevant sein. Menschen schenken logischen Erklärungen besonders viel Beachtung, es kann deshalb hilfreich sein wiederholte Warum-ist-das-so Fragen zu stellen und sich so an eine nachvollziehbare Erklärung heranzuarbeiten. 

Ein Beispiel

Im Zuge der Brände in Moria gab es immer wieder Debatten, die Hate Speech beinhalteten:

Kommentar: „Nicht vergessen: 1. Feuer selbst gelegt u daher alles verloren. 2. Selbst gewählt die Heimat zu verlassen obwohl klar war, dass in GR Endstation. 3. 23000 Emigranten gegen genauso viele gr. Einwohner. 4. Null Hilfe von der EU nur unnötige Kommentare. Jetzt haben die dankbaren ach so armen „Menschen“ ihr Lager niedergebrannt u erwarten wieder, dass andere alles glatt machen. Vielleicht 5 Sterne Hotel mit Pool und Zimmerservice? Es steht Deutschland aber frei einige 1000e zu evakuieren. So viele Flugzeuge am Boden, da lässt sich sicher was machen.“

Kommentar: „Clever selbst gelegt und dann noch viel verlangen. Die sollten endlich mal aufhören ihre eigenen Leute in Gefahr zu bringen!“

Das ist eine Möglichkeit für Counter Speech

  • Warum wurde das Camp angezündet?
    Dies passierte wegen der menschenunwürdigen Bedingungen vor Ort… können wir darüber diskutieren, hier mit Änderungen anzusetzen?
  • Sind alle Menschen vor Ort dafür zur Verantwortung zu ziehen? Geflüchtete bleiben Einzelpersonen mit unveräußerlichen Menschenrechten…
  • Ist eine Strategie der Abschreckung mit unseren Werten vereinbar?…

Macht eure Argumente SExIR: State, Explain, Illustrate, Relevance

State: Ich glaube, dass… Menschen überzeugt man, indem man die eigene Haltung erklärt. Eine Kernbotschaft erleichtert dabei das Verständnis und kann die eigenen Gedanken gliedern und vermeiden, dass zu weit vom Thema weggegangen wird. 

Explain: Das ist so, weil… je tiefer und nachvollziehbarer etwas erklärt wird, desto besser wird es verstanden. Eigene Gedanken können dabei auch Glaubwürdigkeit stiften. Wichtig ist: Es ist wahr und zumindest in dieser Sache relevant. 

Illustrate: Ein Beispiel hierfür ist… Beispiele helfen dabei, Zusammenhänge besser zu verstehen und die Sache greifbarer zu machen.

Relevance: Das ist wichtig, weil… die eigenen Argumente in die Debatte einzuordnen hilft. Es erzeugt außerdem Druck beim Gegenüber etwas auf euer Argument zu erwidern.

Wichtig ist vor allem

Hate Speech nicht unkommentiert lassen und sich an die Seite von Betroffenen zu stellen. Wenn ihr spontan keine Argumente findet, könnt ihr benennen, dass es in der Diskussion an zwischenmenschlichem Respekt und Mitgefühl mangelt und Hass nie eine akzeptable Antwort ist. 

1 Kommentar zu „Hate-Speech <h2 class='subtitle'>Wie ihr euch dagegen positionieren könnt <h2> “

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