Fakten auf den (Stamm)tisch: Argumente gegen „Flüchtlinge sind kriminell“

In unserer Gesellschaft kommen Aussagen wie „Flüchtlinge sind kriminell“ leider regelmäßig vor – ob auf Social Media, bei Familienfeiern oder dem buchstäblichen Stammtisch. Das könnt ihr ihnen entgegnen:

Die Aussage, dass Kriminalität mit Menschen einer bestimmten Herkunft in Verbindung gebracht werden kann, ist zutiefst rassistisch. Menschen, die in Europa Schutz suchen, haben verschiedenste Hintergründe, Geschichten und Schicksale, die nicht verallgemeinert werden können. Dennoch werden wir durch rechtspopulistische Parolen und durch die Berichterstattung zu einzelnen Fällen von Straftaten immer wieder mit solchen Aussagen konfrontiert. Doch: Es gibt statistisch gesehen keinen Hinweis darauf, dass mit der gestiegenen Anzahl von Geflüchteten auch die Straftaten massiv zugenommen haben. 

Was sagt die Statistik?

Zuwanderer stellten im Jahr 2019 insgesamt 8% aller Tatverdächtigen in Deutschland dar – das ist höher als ihr Anteil an der Gesamtgesellschaft. Es ist jedoch wichtig, diese Daten vor dem Hintergrund der statistischen Methodik und der gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge einzuordnen. Denn insgesamt ist die Kriminalitätsrate im Jahr 2019 gesunken. 

Woher stammen die Zahlen zur Kriminalität?

Die Daten zur Kriminalität von Geflüchteten beruhen zumeist auf der Polizeilichen Kriminalstatistik. In dieser wird der Anteil der sog. „Zuwanderer“ an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen erhoben. Unter die Kategorie „Zuwanderer“ fallen jedoch nicht nur anerkannte Flüchtlinge, sondern generell alle schutzberechtigten und geduldeten Menschen und Personen ohne Aufenthaltstitel. Eine Ausnahme ist das Jahr 2017, in welchem der Anteil anerkannter Flüchtlinge separat erhoben wurde. In diesem Jahr stellten sie 5% aller Tatverdächtigen dar und lagen somit unter dem Anteil an der Gesamtbevölkerung. 

Was erfassen die Zahlen?

Die Statistik erfasst nur Tatverdächtige, das heißt, es wird nicht berücksichtigt, ob der vorliegende Tatverdacht überhaupt vor Gericht angeklagt worden ist. In verschiedenen Studien hat sich gezeigt, dass Menschen, deren Aussehen als vermeintlich „fremd“ wahrgenommen wird, häufiger angezeigt werden und somit aufgrund von rassistischen Motiven in der Statistik überrepräsentiert sind. Dies betrifft auch geflüchtete Menschen.

Welche Delikte wurden begangen?

Laut der Statistik wurden von tatverdächtigen „Zuwanderern“ im Jahr 2019 vor allem Vermögens- und Fälschungsdelikte begangen. Hierbei handelt es sich in mehr als der Hälfte der Fälle um Beförderungserschleichung, also Schwarzfahren. Zudem gehen in die Statistik auch Delikte ein, die nur zugewanderte Menschen begehen können, wie etwa ausländerrechtliche Verstöße. Rechnet man diese Effekte heraus, ist die Zahl der Strafanzeigen in Deutschland im Jahr 2015 lediglich um 0,1% gestiegen, 2016 ist sie sogar um 0,7% gesunken.

Ob jemand straffällig wird, hängt von vielfältigen Faktoren ab. Zu diesem gehört auch das Geschlecht und das Alter. So ist die Wahrscheinlichkeit, eine Straftat zu begehen, für die Bevölkerungsgruppe der 14- bis 30-jährigen Männer am höchsten. Innerhalb der Gruppe der „Zuwanderer“ machen diese einen besonders großen Teil aus – 57,9% derjenigen, die in 2019 einen Asylantrag gestellt haben, sind männlich und 77% unter 30 Jahre alt. 

Weitere Faktoren sind die persönliche und soziale Lebenslage. Kriminalität wird vor allem von Bedingungen wie Perspektivlosigkeit und Unsicherheit, welche insbesondere für geduldete Personen und Menschen ohne Aufenthaltstitel Alltag sind, begünstigt. Auch Diskriminierungserfahrungen im Kontakt mit Bürger*innen und Behörden erhöhen die Bereitschaft, Straftaten zu begehen. Zudem führen die Einschränkung von Autonomie und Privatsphäre und die fehlende Tagesroutine in den Gemeinschaftsunterkünften zu vielfältigen Konflikten, welche in Straftaten resultieren können. 

Die Aussage „Flüchtlinge sind kriminell“ ist rassistisch und verallgemeinernd

Die Statistik zeigt außerdem, dass sie nicht wahr ist. Kriminalität hängt nicht mit der Herkunft, der Staatsangehörigkeit oder gar der „Kultur“ zusammen, sondern wird durch bestimmte Lebenslagen gefördert. Kriminalität – von Menschen mit und ohne deutschen Pass – kann nur durch gesellschaftliche Integration und durch die Schaffung langfristiger (Bleibe-)Perspektiven vorgebeugt werden. 

Quellen:
BMI (2019): Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2019. Ausgewählte Zahlen im Überblick.
Giesing, Ivonne; Rohde, Carla; Schönauer, Anne; Steinruck, Florian (2019): Fakten zur Kriminalität von Geflüchteten.
ProAsyl (o.J.): Fakten, Zahlen, Argumente.
UNO-Flüchtlingshilfe (o.J.): Faktencheck.

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