„Die größte Herausforderung im Lockdown ist die Gesundheit“

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Mein Name ist Gailan und ich bin irakischer Kurde aus Erbil und lebe seit fast vier Jahren in Griechenland. Ich arbeite derzeit für das OCC in Polykastro.

Gemeinsam mit dem Open Cultural Center (OCC) haben wir das Buch „Mein Freund!“ auf Deutsch übersetzt. Hierbei erklären und illustrieren Kinder ihre Reise nach und das Leben in Griechenland auf eindrucksvolle Weise. Für euch haben wir mit Gailan über die aktuelle Situation für Menschen auf der Flucht in Griechenland sowie die Arbeit des OCC in Polykastro gesprochen. Mit den Einnahmen aus dem Buchangebot wird die Arbeit vor Ort finanziert und unterstützt. Bestellungen sind über den Online-Shop des OCC möglich. Ihr könnt uns natürlich auch ansprechen oder eine E-Mail an info@signalofsolidarity.de schicken.

Wie würden Sie die Situation der Flüchtlinge in Ihrer Region beschreiben?

Gailan: Ich lebe in einem Camp zusammen mit vielen Flüchtlingen in einem kleinen griechischen Ort namens Polykastro. Das Camp ist fünf Kilometer vom nächsten Dorf entfernt, aber die Organisation [das OCC] macht es leicht zugänglich. Die Organisation ist sehr nützlich für die Geflüchteten und sie verbringen viel Zeit dort, um viel zu lernen.

Wie ist die Wohnsituation in Ihrer Region?

Die meisten Menschen, die in Häusern leben, sind Familien. Für Alleinstehende ist die Situation allerdings anders: Sie müssen im Lager leben, wenn sie gesund sind. Es ist notwendig, die erforderlichen medizinischen Papiere zu haben, wenn man irgendwelche körperlichen oder psychischen Probleme hat, um in ein Haus umziehen zu können.

Wie werden die Spendengelder verwendet?

Das hängt davon ab, wofür das Geld gespendet wird. Manchmal wird online Geld gespendet, das dann von den Koordinatoren von OCC verwendet wird, um Projekte zu finanzieren, zum Beispiel Sprachkurse und Prüfungen, das Fahrradprojekt, Materialien und verschiedene Aktivitäten.

Wie ist die allgemeine Zusammenarbeit mit den Behörden?

Es gibt grundsätzlich Militär und Polizei im Lager. Die Organisationen haben ein gutes Verhältnis zur Regierung, die Flüchtlinge leider nicht.

Was sind die größten Herausforderungen der Integration?

Die größten Herausforderung der Integration ist, dass die Menschen hier keine Arbeit finden, weil es nicht viele Arbeitsplätze gibt. Die werden hauptsächlich den Menschen vor Ort und nicht den Flüchtlingen gegeben. Es ist auch schwierig, an einer Schule oder Universität zu studieren, weil nur die Minderjährigen Zugang zu Schulen haben und die Erwachsenen in der Organisation lernen müssen.

Gibt es positive Beispiele/Erfahrungen?

Es gibt eine Menge Positives zu OCC. Die Organisation ist in diesem Bereich sehr wichtig und viele Menschen haben die Möglichkeit zu lernen. Ich bin ein Beispiel dafür, da ich am Englischunterricht teilnehme, bin ich in der Lage, dieses Interview auf Englisch durchzuführen. Leider glaube ich nicht, dass es abgesehen von der Organisation viele positive Aspekte über Griechenland für Geflüchtete gibt, vor allem, weil es so schwierig ist, hier einen Job zu finden. Sobald Geflüchtete ihre Dokumente erhalten haben, werden sie das Land verlassen, um anderswo bessere Möglichkeiten zu finden.

Was sind die größten Herausforderungen durch die Corona-Pandemie?

Die größte Herausforderung im Lockdown ist die Gesundheit, aber wir geben den Leuten immer Informationen über Whatsapp und stehen mit ihnen in Kontakt. In Bezug auf das Lager, ist es den Menschen erlaubt, rauszugehen, aber nur aus einem echten Grund. Aber gleichzeitig sind im Lager alle zusammen. Sie bringen Menschen aus Samos oder von anderswo herein, um die Leute zu überprüfen, ob sie gesund sind oder nicht.

Welche Aktivitäten mussten Sie stoppen, welche können fortgesetzt werden?

Als das Virus begann, änderte sich alles sehr schnell. Der Lockdown betraf alle Bereiche und die Organisation wurde geschlossen, was bedeutete, dass die Aktivitäten, die wir mit der lokalen Gemeinschaft durchführten – wie Sprachkurse, Frauenraum und Sportaktivitäten – gestoppt wurden und jetzt verbringen wir Zeit zu Hause und im Lager.

Haben Sie Zugang zum Gesundheitssystem?

Wir haben eine Gesundheitsversorgung im Lager und wenn man die medizinischen Papiere hat, kann man ins Krankenhaus gehen. Es ist jedoch ein Problem, wenn man entweder einen Krankenhaus- oder einen Arzttermin machen und lange warten muss, bis man einen bekommt. Das hängt auch davon ab, wer für einen im Haus oder Lager verantwortlich ist und ob sie einen guten Job machen oder nicht.

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