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Außerhalb des Rasters – Cesme/Torbali Abschlussbericht

Inzwischen sind wir wieder zurück in Deutschland, das Erlebte von unserem Einsatz mit der Refugees Foundation werden wir jedoch so schnell nicht vergessen.

Tapfer beim Zahnziehen.
Tapfer beim Zahnziehen.

An unserem letzten Tag in Torbali mit der Refugees Foundation haben wir noch einmal viel gemacht: Es ging früh los, da wir mit einem Mädchen mit Zahnproblemen in die Privatklinik gefahren sind. Sie musste einen Zahn gezogen bekommen und hat das sehr tapfer über sich ergehen lassen. Von einer jungen Frau, die ebenfalls gesundheitliche Probleme hatte, ließ unsere freiwillige Ärztin in der Klinik auch in Blutbild anfertigen. Ein paar Tage zuvor wurde ihr zwar im staatlichen Krankenhaus schon einmal Blut abgenommen – allerdings wurde nur geprüft, ob die Frau schwanger ist. Dann wurde sie mit einem Vitamin-Drink abgespeist. Der Bluttest nun hat gezeigt, dass der Hämoglobinwert mit 6 kritisch niedrig war. Von der Privatklinik wurden wir schließlich wieder an die staatliche Klinik verwiesen, um eine Eiseninjektion zu erhalten. Nach mehreren Stunden warten und Drängen – immerhin war das auch die Empfehlung der Privatklinik, die uns auch extra in der staatlichen Klinik angemeldet hatte – gab es schließlich die Injektion, die die Blutwerte hoffentlich wieder etwas verbessert.

Erneute Ölverteilung: Der Weg war zu matschig, um bis zum Camp (hinten links) vorzufahren. Auf dem Feld werden Erdbeeren angebaut.
Erneute Ölverteilung: Der Weg war zu matschig, um bis zum Camp (hinten links) vorzufahren. Auf dem Feld werden Erdbeeren angebaut.

Während die beiden in der Klinik gewartet haben, hat der Rest des Teams weiter neue Camps angesteuert. Die Zustände waren ähnlich jämmerlich wie in denen, die wir in den Tagen zuvor besucht haben. Immer wieder liegt ein unangenehmer Gestank in der Luft, fließendes Wasser oder Elektrizität gibt es wenn nur sporadisch. Die meisten Camps liegen abgelegen auf den Feldern, manchmal sind sie von den Landstraßen und Autobahnen schon zu sehen. Über befestigte Wege sind jedoch nur die wenigsten zu erreichen. Gerade an nassen Tagen wie diesen macht das den Zugang umso schwieriger. Dennoch fühlten wir uns als Besucher stets willkommen, zumal sich die Menschen sehr über das Öl gefreut haben. Mit den Kindern haben wir kleine Spiele gespielt, um ihnen ein Lachen ins Gesicht zu zaubern. Die Schokoriegel waren natürlich wieder im Handumdrehen verteilt.

Ein Höhepunkt war schließlich der Besuch in einer Schule. Die wird von Freiwilligen finanziert, eine Camp-Bewohnerin unterrichtet die Kinder hier auf Arabisch, um wenigstens etwas Bildung zu vermitteln. Für die Kinder hat die Refugees Foundation aus Köln von einer Schule noch Geschenke mitgenommen, die wir nun zum Unterrichtsende verteilt haben. Hier haben wir auch das Mädchen wieder getroffen, das morgens noch ihren Zahn gezogen bekommen hat – den Unterricht wollte sie sich trotz der Schmerzen nicht entgehen lassen. Mit den Geschenken haben die Kinder nun auch etwas, um sich im Camp beschäftigen zu können. Oftmals dienen sonst leere Wasserkanister an einer Schnur als Spielzeug.

Die Schulkkinder suchen sich ihre Geschenke aus.
Die Schulkkinder suchen sich ihre Geschenke aus.

Was lässt sich abschließend über unseren Einsatz sagen? Es fällt schwer, ein Fazit zu ziehen. Die Menschen bleiben hier vollkommen sich selbst überlassen. Selbst, wenn sie eine Wohnung im Ort haben, scheint es ihnen schwer zu fallen, Kontakt zur heimischen Bevölkerung aufzubauen. Während unserer Tage in den Camps haben wir nicht einmal andere Freiwillige oder Mitarbeiter einer Hilfsorganisation angetroffen. Die drei Milliarden Euro, die die Türkei im Rahmen des Abkommens von 2016 mit der EU erhält, haben wir hier zumindest nicht gesehen. Selbst die Öfen, die in den meisten Zelten stehen, wurden vergangenes Jahr von Freiwilligen verteilt. Strukturen aufzubauen, um das Leben der Menschen zu verbessern, scheint am politischen Widerstand zu scheitern. So ist in einem Land, das (mal mehr, mal weniger) eine EU-Mitgliedschaft anstrebt, lediglich Nothilfe möglich. Dort, wo noch nicht einmal Not herrschen müsste. Während unserer Fahrten durch die Umgebung von Torbali ist uns auch bewusst geworden, dass die türkische Unterschicht kaum mehr hat. Einige Wohnsiedlungen erinnern eher an Slums in Einsturzgefahr als an befestigte Gebäude. Sie fallen ebenso wie die Syrer durch jedes Raster.

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