Aktuelles


Marcel ist im September zufällig zu uns gestoßen und war seitdem mehrmals mit uns im Einsatz, ist aber auch mit uns in Bremen aktiv. Mit der Freiwilligen-Agentur hat er über sein Engagement gesprochen. Wir freuen uns, dich im Team zu haben, Marcel!

Wir freuen uns immer über neue Freiwillige in unserer Gruppe. Wenn ihr Interesse habt, kommt doch einfach montags um 19 Uhr zu unserem offenen Treffen in der Friese. Lasst uns am besten kurz eine Nachricht da, damit wir wissen, dass ihr kommt (und ihr nicht vor einer verschlossenen Tür steht). ... Mehr...Weniger

"Wenig reden, schnell handeln": Für unsere Portraitreihe über freiwillig Aktive hat Heiner Brünjes dieses Mal mit Marcel Ottjes getroffen. Er engagiert sich im Verein Signal of Solidarity - Flüchtlingshilfe. Heiner Brünjes: Was genau machen Sie in Ihrem Engagement? Marcel Ottjes: Ich kümmere mich seit einem halben Jahr um die geflüchteten Menschen in Deutschland, aber auch in Frankreich. So bin ich beispielsweise in der Kleiderspenden-Annahme für Camps in Bremen aktiv und sortiere die Textilien hinsichtlich ihrer Verwendbarkeit, Geschlecht und Größe. In dieser Jahreszeit hat natürlich die warme Winterkleidung eine hohe Bedeutung. Ein wichtiges Thema ist die Wohnungssuche. Wir helfen den Menschen dabei, organisieren Umzüge oder unterstützen sie handwerklich bei der Renovierung. Damit wir uns alle besser kennenlernen, organisiere ich gemeinsam mit anderen interkulturelle Kinderfeste. Auch die Zusammenführung von Familien ist für uns ein wichtiges Thema. Vor allem bei meinen Besuchen in Calais unterstütze ich die Menschen dabei, Englisch zu lernen. Denn viele von ihnen möchten nach Großbritannien weiterziehen. In Bremen ist es natürlich die Aneignung von Deutschkenntnissen. Und, und, und … Es gibt sehr viel zu tun, die Arbeit ist vielfältig, und wir würden uns über weitere Aktive sehr freuen. Heiner Brünjes: Wie sind Sie zu Ihrem Engagement gekommen und warum engagieren Sie sich bei Signal of Solidarity? Marcel Ottjes: Das war reiner Zufall. Während meiner Arbeit im Güterbahnhof fand ein kulturelles Fest statt. Dort entstanden Gespräche, die mich zu einem Engagement motivierten. Ich wurde zu einem Treffen eingeladen und fühlte mich schnell integriert. Die junge Gruppe war und ist mir sympathisch. Es wird wenig geredet, sondern schnell gehandelt. Wir haben wenig Hierarchie. Um dringend benötigte Spenden zu erhalten, sind wir seit Kurzem ein gemeinnütziger eingetragener Verein. Marcel Ottjes: Was sind die schönsten Erlebnisse an Ihrer Tätigkeit? Heiner Brünjes: Ich bin sehr an verschiedenen Menschen und ihren Kulturen interessiert. Bei meinem Engagement für Signal of Solidarity habe ich das Gefühl, etwas sehr Sinnvolles zu machen. Während der Besuche in den Lagern lerne ich die Realität hautnah kennen und kann eigene Eindrücke gewinnen. Es ist schön, Kontakte zu haben, zu sehen, welche Fortschritte die Menschen machen und wie es Ihnen allmählich etwas besser geht. Ich sehe das große Engagement, mit denen die Geflüchteten unsere Sprache und die Kultur kennenlernen wollen. Das erfordert allerdings auch viel Geduld. Heiner Brünjes: Warum ist für Sie bürgerschaftliches Engagement so wichtig? Marcel Ottjes: Mit der Flüchtlingssituation stehen wir vor großen Herausforderungen. Deshalb ist es wichtig, sich dafür einsetzen, dass die Menschen zueinander finden und die Zukunft gemeinsam gestalten. Ich kann aus freien Herzen etwas dazu beitragen, meine unmittelbare Umgebung zu verbessern. Ich mag kein großes Gerede, keine großen Worte, sondern ich möchte etwas Konkretes tun. Und das ist bei uns sehr gut möglich. KONTAKT: Die Signal of Solidarity ist eine Bremer Gruppe, die sich für Geflüchtete einsetzt. Sie unterstützt sowohl Projekte im Raum Bremen als auch - und das vorrangig - außerhalb Deutschlands. Die Situation für hilfesuchende Menschen ist dramatisch, insbesondere während der Flucht. Ohne die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer würde es vielerorts keine Versorgung für Geflüchtete geben. Wir können diese humanitäre Katastrophe mit unseren Einsätzen nicht beenden, aber wir können es für die Menschen, denen wir begegnen, für den einen Moment erträglicher machen. Ihnen ein kleines bisschen Last nehmen, sie mit dem Nötigsten ausstatten und ihnen ein Lächeln mit auf den weiteren Weg geben. Bitte helft mit, dieser Ungerechtigkeit entgegenzuwirken und unterstützt uns, damit wir an richtiger Stelle helfen können. Über jede neue Aktion, die wir planen, informieren wir euch mit Infos über die aktuelle Situation vor Ort und die jeweilig benötigten Spenden. Der Sachspendenbedarf hängt dabei von Ort und auch der (Jahres-)Zeit ab. WICHTIG: Wir können nur aktiv bleiben und helfen, wenn wir Eure Unterstützung bekommen. Wir sind dabei sowohl auf Sachspenden angewiesen als auch auf fortlaufend finanzielle Unterstützung. Wir freuen uns darüber hinaus auch über Menschen, die sich uns anschließen wollen und bei zukünftigen Aktionen mithelfen möchten.

Marcel ist im September zufällig zu uns gestoßen und war seitdem mehrmals mit uns im Einsatz, ist aber auch mit uns in Bremen aktiv. Mit der Freiwilligen-Agentur hat er über sein Engagement gesprochen. Wir freuen uns, dich im Team zu haben, Marcel!

Wir freuen uns immer über neue Freiwillige in unserer Gruppe. Wenn ihr Interesse habt, kommt doch einfach montags um 19 Uhr zu unserem offenen Treffen in der Friese. Lasst uns am besten kurz eine Nachricht da, damit wir wissen, dass ihr kommt (und ihr nicht vor einer verschlossenen Tür steht).


SIRIUS.HELP
Unsere Arbeit an der ungarisch-serbischen Grenze. Ein Video von Sirius help. Die Sequenzen zeigen den Tag zu unserem Update vom 14.2.17. ... Mehr...Weniger

Men who are expelled from Hungary receive first aid from the volunteers of SIRIUS.HELP. Of the 25 men 6 are unaccompanied minors, the youngest boy is 12 years old. They had been on the road on foot in Hungary for 2 days when the police held them up, about 50 kilometres from the border. Divers of them had not eaten for days. Thank you for your support: Signal of Solidarity - Flüchtlingshilfe, Kim Catalina, Zora Stuppi, Karin Tschare-Fehr Please, help us to help them: www.sirius.help/donate-now/ ---- Magyarországról visszatoloncolt férfiak kapnak elsősegélyt a SIRIUS.HELP önkénteseitől. A 25 férfi közül 6-an kísérő nélküli kiskorúak, a legfiatalabb fiú 13 éves. Két napja voltak már úton gyalog Magyarországon, amikor kb. 50 km-re a határtól feltartóztatták őket a rendőrök. Többen közülük már napok óta nem ettek. A magyar rendőrök ismét számtalan menekült telefonját tették használhatatlanná. Kérjük, segítsd a munkánk, csak így segíthetünk a rászorulókon: www.sirius.help/hu/adomanyozas/


+++Calais-Abschlussbericht+++

Wie versprochen, möchten wir euch an dieser Stelle von unseren letzten Stunden in Calais berichten und noch einmal auf die Situation vor Ort aufmerksam machen.

An unserem letzten Abend haben wir noch einmal gemeinsam mit Care4Calais und Utopia56 die Jugendlichen in dem verlassenen Industriegebiet mit neuer Kleidung, warmem Essen und Trinken versorgt. Es waren deutlich mehr als in den Tagen davor, wir würden mindestens 40 schätzen. Darunter waren auch einige neue Gesichter. Die meisten von ihnen waren zwischen 15 und 17 Jahren alt und haben Verwandte in Großbritannien, mit denen sie endlich wieder vereint sein möchten.

Den Tag darauf haben wir noch bis bis 17 Uhr im Warehouse mitgeholfen und Essen zu einer WG, in der auch einige Geflüchtete leben, gebracht. Anschließend sind wir noch in ein Einkaufszentrum gefahren, um Handschuhe für die nächste Verteilung zu kaufen. Der Bestand war nahezu aufgebraucht und andernfalls hätte man wohl keine mehr ausgeben können. Ein großer Dank geht hierbei an Margreth: Durch ihre Spende konnten wir so kurzfristig 21 Paar Handschuhe kaufen, der Verkäufer hat noch ein Paar gratis draufgelegt, um die Menschen vor Ort zu unterstützen.

Die Lage selbst hat sich seit unserer Abreise allerdings kaum geändert. In Paris sind immer noch, um nicht zu sagen wieder, mehrere Hundert Menschen auf der Straße. Von unseren Freunden hören wir, dass die Polizei aggressiver wird und nun auch Essensausgaben behindert. In Calais ist es auch nur minimal wärmer geworden. Am Tag unserer Abreise fielen sogar ein paar Schneeflocken...

Immerhin haben wir unter der Woche auch eine gute Nachricht erhalten: Corlos, von dem wir euch erzählt haben, durfte am Mittwoch nach fast vier Wochen auf der Straße in das Camp La Chapelle und seinen Asylantrag stellen. Zehn Tage soll er nun dort verbringen und danach ein Zimmer. Er sagte uns, dass er jetzt französisch lernen und sich in Frankreich ein neues Leben aufbauen will. Wir wünschen ihm dabei alles Gute und hoffen, dass wir uns wiedersehen. ... Mehr...Weniger

+++Calais-Abschlussbericht+++

Wie versprochen, möchten wir euch an dieser Stelle von unseren letzten Stunden in Calais berichten und noch einmal auf die Situation vor Ort aufmerksam machen.

An unserem letzten Abend haben wir noch einmal gemeinsam mit Care4Calais und Utopia56 die Jugendlichen in dem verlassenen Industriegebiet mit neuer Kleidung, warmem Essen und Trinken versorgt. Es waren deutlich mehr als in den Tagen davor, wir würden mindestens 40 schätzen. Darunter waren auch einige neue Gesichter. Die meisten von ihnen waren zwischen 15 und 17 Jahren alt und haben Verwandte in Großbritannien, mit denen sie endlich wieder vereint sein möchten.

Den Tag darauf haben wir noch bis bis 17 Uhr im Warehouse mitgeholfen und Essen zu einer WG, in der auch einige Geflüchtete leben, gebracht. Anschließend sind wir noch in ein Einkaufszentrum gefahren, um Handschuhe für die nächste Verteilung zu kaufen. Der Bestand war nahezu aufgebraucht und andernfalls hätte man wohl keine mehr ausgeben können. Ein großer Dank geht hierbei an Margreth: Durch ihre Spende konnten wir so kurzfristig 21 Paar Handschuhe kaufen, der Verkäufer hat noch ein Paar gratis draufgelegt, um die Menschen vor Ort zu unterstützen.

Die Lage selbst hat sich seit unserer Abreise allerdings kaum geändert. In Paris sind immer noch, um nicht zu sagen wieder, mehrere Hundert Menschen auf der Straße. Von unseren Freunden hören wir, dass die Polizei aggressiver wird und nun auch Essensausgaben behindert. In Calais ist es auch nur minimal wärmer geworden. Am Tag unserer Abreise fielen sogar ein paar Schneeflocken...

Immerhin haben wir unter der Woche auch eine gute Nachricht erhalten: Corlos, von dem wir euch erzählt haben, durfte am Mittwoch nach fast vier Wochen auf der Straße in das Camp La Chapelle und seinen Asylantrag stellen. Zehn Tage soll er nun dort verbringen und danach ein Zimmer. Er sagte uns, dass er jetzt französisch lernen und sich in Frankreich ein neues Leben aufbauen will. Wir wünschen ihm dabei alles Gute und hoffen, dass wir uns wiedersehen.


+++Budapest-Update 15.-16.2.2017+++

Auch die letzten beiden Tage, Mittwoch und Donnerstag, waren wir mit Sirius Help unterwegs. Am Donnerstag waren wir, wie auch am Dienstag in den Transitzonen und haben Schlafsäcke, Klamotten, Tee, Kaffee und Zucker verteilt. Am Mittwoch fuhren wir zusammen in ein Camp, das etwa zwei Stunden entfernt vom Budapest in Kiskunhalas liegt. Auf einem alten Militärgelände erbaut und mit Stacheldraht umzogen, macht das Camp von außen zunächst keinen sehr einladenden Eindruck. Es ist aber offen und die Menschen, die hier leben sind verhältnismässig gut versorgt. Es gibt beheizte Container, eine Küche, Sanitäranlagen und einen Gemeinschaftsraum, in dem Kinder spielen können und in dem wir auch Klamotten verteilt haben.

Es ist natürlich etwas paradox, sich über die Erfüllung dieser grundlegenden Bedürfnisse zu freuen, dennoch war es nach dem, was wir am Dienstag gesehen hatten und was wir noch am Donnerstag sehen sollten, eine irgendwie positive Erfahrung. Die Stimmung hier war ganz anders. Familien hatten die Chance, etwas zur Ruhe zu kommen und sich auszuruhen für die sehr wahrscheinliche Weiterreise Richtung Österreich. Mit den Leuten von Sirius Help haben wir uns viel unterhalten und über die Situation in Ungarn sehr viel gelernt. Ungarn habe als Land, anders als Deutschland, quasi keine Erfahrung mit Einwanderung die Strukturen seien also so gar nicht vorhanden und auch der Gedanke daran eher befremdlich. Nur sehr wenige beantragen Asyl in Ungarn, da sie bereits nach wenigen Wochen die Übergangscamp verlassen müssten und es keine Sozialhilfe gibt. Ohne eine Arbeit haben die Geflüchteten so meist nur die Chance, in ein Obdachlosenheim zu ziehen und das täten viele dann auch. Ungarisch gilt als eine der schwierigsten Sprachen. Es gibt zwar Angebote, sie im Camp zu lernen, aber nur die wenigstens können sich tatsächlich so schnell, wie es erforderlich wäre, in die Lage versetzen als Arbeitskraft in Frage zu kommen. Für die meisten ist Ungarn deshalb keine realistische Option.

Ungarn versucht aber natürlich auch gar nicht erst Integration zu ermöglichen. Stattdessen würden zur Zeit Gesetze verschärft. Bisher galt, dass die Polizei jeden, der noch keine acht Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt ist, einfach wieder zurück nach Serbien schicken kann. In der Realität wurden auch Menschen aus vierzig Kilometern wieder zurückgeschickt. In Zukunft soll die Regelung es überall in Ungarn ermöglichen, Menschen zurück zu schicken, die nicht legal eingereist sind. Für die Geflüchteten, die jetzt ankämen, würde das bedeuten, dass sie sich in Ungarn nur noch versteckt halten könnten und möglichst schnell versuchen müssten weiterzureisen. Für die freiwilligen Helfer würde dies die Versorgung zumindest mit Lebensmitteln und sauberen trockenen Klamotten natürlich auch erheblich erschweren. Mit einer Lösung haben all diese Verschärfungen von Gesetzen nichts zu tun. Sie vergrößern nur das Problem und das Leid. Menschen, die die Balkanroute heute noch überqueren haben mit großer Sicherheit schreckliches und menschenunwürdiges auf dem Weg erlebt. Die Traumata, das Misstrauen und die Angst die hierbei erschaffen werden, werden unsere Gesellschaft in Zukunft viel Aufarbeitung und Energie kosten.

Noch haben wir keine Ahnung, was den Menschen auf ihrem Weg alles widerfahren ist. Eines Tages aber werden sie erzählen und wir alle werden dafür Verantwortung tragen müssen. Menschenrechtsverbrechen werden nicht einfach vergessen. Wenn Europas Politiker und Wutbürger denken, dass sie sich den Verbrechen, die sie heute begehen, nicht stellen werden müssen, dann liegen sie falsch. Wenn sie ein Beispiel davon sehen wollen was ihr Hass, ihr Egoismus und ihre Untätigkeit hier anrichten, hätten sie nur am Donnerstag für zwei Stunden mit uns in die Transitzonen fahren müssen. Ein verlassener Duty free Shop dient dort als Unterkunft für eine Familie mit zwei Kindern. Es ist drinnen fast genauso kalt wie draußen. Mit offenem Feuer wurde deshalb geheizt und versucht etwas Wärme zu zu schaffen. Der Geruch in dem Haus ist so schlecht, dass wir es keine fünf Minuten aushielten und unsere Klamotten noch immer bestialisch stinken. Man hat schon nach fünf Minuten das Gefühl, mit einer Rauchvergiftung rauszukommen. Warum leben Menschen hier? Weil ihre Kinder draußen vielleicht erfrieren würden. So vergiften sie sich vielleicht und müssen diesen unsäglichen Geruch aushalten, aber die Menschen hier kämpfen längst schon ums Überleben. Das alles müsste nicht sein.

Es gibt Lösungen und sie sind käuflich. Baut Container und Camps, die zumindest die menschlichen Grundrechte erfüllen. Was hier passiert, wird unsere Gesellschaft auf Dauer so viel mehr kosten. Selbst ein egoistischer, aber rational denkender Mensch müsste das verstehen, wenn er denn ein Grundstock an Intelligenz und Menschlichkeit mitbrächte. Nur ist das wohl nicht der Fall. ... Mehr...Weniger

+++Budapest-Update 15.-16.2.2017+++

Auch die letzten beiden Tage, Mittwoch und Donnerstag, waren wir mit Sirius Help unterwegs. Am Donnerstag waren wir, wie auch am Dienstag in den Transitzonen und haben Schlafsäcke, Klamotten, Tee, Kaffee und Zucker verteilt. Am Mittwoch fuhren wir zusammen in ein Camp, das etwa zwei Stunden entfernt vom Budapest in Kiskunhalas liegt. Auf einem alten Militärgelände erbaut und mit Stacheldraht umzogen, macht das Camp von außen zunächst keinen sehr einladenden Eindruck. Es ist aber offen und die Menschen, die hier leben sind verhältnismässig gut versorgt. Es gibt beheizte Container, eine Küche, Sanitäranlagen und einen Gemeinschaftsraum, in dem Kinder spielen können und in dem wir auch Klamotten verteilt haben.

Es ist natürlich etwas paradox, sich über die Erfüllung dieser grundlegenden Bedürfnisse zu freuen, dennoch war es nach dem, was wir am Dienstag gesehen hatten und was wir noch am Donnerstag sehen sollten, eine irgendwie positive Erfahrung. Die Stimmung hier war ganz anders. Familien hatten die Chance, etwas zur Ruhe zu kommen und sich auszuruhen für die sehr wahrscheinliche Weiterreise Richtung Österreich. Mit den Leuten von Sirius Help haben wir uns viel unterhalten und über die Situation in Ungarn sehr viel gelernt. Ungarn habe als Land, anders als Deutschland, quasi keine Erfahrung mit Einwanderung die Strukturen seien also so gar nicht vorhanden und auch der Gedanke daran eher befremdlich. Nur sehr wenige beantragen Asyl in Ungarn, da sie bereits nach wenigen Wochen die Übergangscamp verlassen müssten und es keine Sozialhilfe gibt. Ohne eine Arbeit haben die Geflüchteten so meist nur die Chance, in ein Obdachlosenheim zu ziehen und das täten viele dann auch. Ungarisch gilt als eine der schwierigsten Sprachen. Es gibt zwar Angebote, sie im Camp zu lernen, aber nur die wenigstens können sich tatsächlich so schnell, wie es erforderlich wäre, in die Lage versetzen als Arbeitskraft in Frage zu kommen. Für die meisten ist Ungarn deshalb keine realistische Option.

Ungarn versucht aber natürlich auch gar nicht erst Integration zu ermöglichen. Stattdessen würden zur Zeit Gesetze verschärft. Bisher galt, dass die Polizei jeden, der noch keine acht Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt ist, einfach wieder zurück nach Serbien schicken kann. In der Realität wurden auch Menschen aus vierzig Kilometern wieder zurückgeschickt. In Zukunft soll die Regelung es überall in Ungarn ermöglichen, Menschen zurück zu schicken, die nicht legal eingereist sind. Für die Geflüchteten, die jetzt ankämen, würde das bedeuten, dass sie sich in Ungarn nur noch versteckt halten könnten und möglichst schnell versuchen müssten weiterzureisen. Für die freiwilligen Helfer würde dies die Versorgung zumindest mit Lebensmitteln und sauberen trockenen Klamotten natürlich auch erheblich erschweren. Mit einer Lösung haben all diese Verschärfungen von Gesetzen nichts zu tun. Sie vergrößern nur das Problem und das Leid. Menschen, die die Balkanroute heute noch überqueren haben mit großer Sicherheit schreckliches und menschenunwürdiges auf dem Weg erlebt. Die Traumata, das Misstrauen und die Angst die hierbei erschaffen werden, werden unsere Gesellschaft in Zukunft viel Aufarbeitung und Energie kosten.

Noch haben wir keine Ahnung, was den Menschen auf ihrem Weg alles widerfahren ist. Eines Tages aber werden sie erzählen und wir alle werden dafür Verantwortung tragen müssen. Menschenrechtsverbrechen werden nicht einfach vergessen. Wenn Europas Politiker und Wutbürger denken, dass sie sich den Verbrechen, die sie heute begehen, nicht stellen werden müssen, dann liegen sie falsch. Wenn sie ein Beispiel davon sehen wollen was ihr Hass, ihr Egoismus und ihre Untätigkeit hier anrichten, hätten sie nur am Donnerstag für zwei Stunden mit uns in die Transitzonen fahren müssen. Ein verlassener Duty free Shop dient dort als Unterkunft für eine Familie mit zwei Kindern. Es ist drinnen fast genauso kalt wie draußen. Mit offenem Feuer wurde deshalb geheizt und versucht etwas Wärme zu zu schaffen. Der Geruch in dem Haus ist so schlecht, dass wir es keine fünf Minuten aushielten und unsere Klamotten noch immer bestialisch stinken. Man hat schon nach fünf Minuten das Gefühl, mit einer Rauchvergiftung rauszukommen. Warum leben Menschen hier? Weil ihre Kinder draußen vielleicht erfrieren würden. So vergiften sie sich vielleicht und müssen diesen unsäglichen Geruch aushalten, aber die Menschen hier kämpfen längst schon ums Überleben. Das alles müsste nicht sein.

Es gibt Lösungen und sie sind käuflich. Baut Container und Camps, die zumindest die menschlichen Grundrechte erfüllen. Was hier passiert, wird unsere Gesellschaft auf Dauer so viel mehr kosten. Selbst ein egoistischer, aber rational denkender Mensch müsste das verstehen, wenn er denn ein Grundstock an Intelligenz und Menschlichkeit mitbrächte. Nur ist das wohl nicht der Fall.


+++Budapest-Update 14.2.2017+++

Um 9:45 ging es für uns Dienstag morgen wieder los. Mit Karin und ihren medizinischen Versorgungskoffern bepackt fuhren wir zunächst an die serbisch-ungarische Grenze nach Röszke\Horgos und später an die Grenzstelle Tompa\Kelebija. Wir halfen Karin, eine Gruppe Menschen, die von einem Versuch die Grenze nach Ungarn zu überqueren zurückkamen, medizinisch zu versorgen. Einige waren von der ungarischen Polizei geschlagen worden, viele hatten Schmerzen und wunde Füsse. Sie zeigten uns Handys, die von der Polizei mutwillig zerstört worden waren, um ihnen Kommunikation und Orientierung zu nehmen. Währenddessen versorgte Sirius Help die Menschen hier mit Kleidung, Schlafsäcken und zum Teil auch mit Lebensmitteln. Wir passierten dafür die Grenzstelle, mussten aber aufpassen uns nicht zu weit zu entfernen, um nicht versehentlich auf serbischen Boden zu treten.

Die neu aufgerüsteten Grenzstellen erinnern an eine andere, einige dachten wohl schon vergessenene, Zeit in Europa. Von einem vereinten, offenen Europa haben wir uns nie weiter entfernt gefühlt. Die Grenzen in den Köpfen unserer Gesellschaft sind längst grausame Realität geworden und es ist erschreckend, wie schnell es geht, neue Zäune zu bauen und Stacheldraht zu ziehen; hat es doch so lange gedauert und so viel Kraft gekostet, sie einst einzureißen.

Sirius Help berichtete uns, dass die ungarische Regierung offiziell jeden Tag fünf Menschen über die Grenze lässt. Und auch das nur, weil sie UN-Mitglied ist und dadurch gezwungen, Asyl in irgendeinem Maße zu gewähren. Die Abläufe zwischen der Grenzpolizei und den Freiwilligen scheinen routiniert und gut zu funktionieren. Besonnen und ruhig verhalten sich die Helfer, erklären den stetig wechselnden und deshalb oft neuen Grenzpolizisten zum Teil sogar, dass sie die Taschen mit Versorgungsgütern überprüfen müssen, damit keine Messer, Feuerzeuge oder ähnliches reinkommen. Es repräsentiert, was in Europa heutzutage so häufig der Fall ist: Die einzigen, die in dieser Krise humanitäre Verantwortung übernehmen, sind Freiwillige und Hilfsorganisationen. Menschen, die sich entschieden haben, es zu tun, weil die, deren Job es wäre, sich auch jetzt noch davor drücken. Wofür brauchen wir Regierungen, die Probleme aussitzen und verschlimmern, anstatt menschlich und nach demokratischen Grundsätzen zu handeln?

Menschenrechte und Flüchtlingskonventionen sind kein gut gemeinter Ratschlag, ohne sie ist unsere Menschlichkeit verloren. Was den Menschen, die in ihrer Flucht Schutz und Hoffnung suchen zugemutet wird, ist weit von dem entfernt, was wir glauben, ertragen zu können. Es ist bitter kalt. Menschen schlafen in Zelten, wenn nicht sogar ungeschützt im Wald. Auch unbegleitete Minderjährige sind dabei, ein Junge war gerade mal 10 Jahre alt und ohne Familie allein unterwegs. Wie kann es um Kinderrechte in Europa stehen, wenn diese Dinge, ohne mit der Wimper zu zucken, hingenommen werden? Das Absurdeste ist, dass die Menschen einem dennoch höflich und dankbar begegnen.

Wir können nur hoffen, dass sie irgendwann ein besseres Leben erwartet. Dass sich ihre unerschütterliche Würde irgendwann bezahlt macht. Die Menschen, die wir überall in Europa so viel erleiden lassen, verdienen, in der Zukunft eine bessere Gesellschaft vorzufinden. Und es ist unser aller Job - in Deutschland und überall in Europa - diese Gesellschaft zu erschaffen. Denn wir sind diese Gesellschaft im Guten mit ihrem großartigen, vielfältigen Engagement genauso wie im Schlechten mit ihren brutalen, unmenschlichen Grenzen. Wir müssen uns endlich entscheiden, in was für einer Welt wir leben wollen und dann müssen wir anfangen, sie aufzubauen. ... Mehr...Weniger

+++Budapest-Update 14.2.2017+++

Um 9:45 ging es für uns Dienstag morgen wieder los. Mit Karin und ihren medizinischen Versorgungskoffern bepackt fuhren wir zunächst an die serbisch-ungarische Grenze nach Röszke\Horgos und später an die Grenzstelle Tompa\Kelebija. Wir halfen Karin, eine Gruppe Menschen, die von einem Versuch die Grenze nach Ungarn zu überqueren zurückkamen, medizinisch zu versorgen. Einige waren von der ungarischen Polizei geschlagen worden, viele hatten Schmerzen und wunde Füsse. Sie zeigten uns Handys, die von der Polizei mutwillig zerstört worden waren, um ihnen Kommunikation und Orientierung zu nehmen. Währenddessen versorgte Sirius Help die Menschen hier mit Kleidung, Schlafsäcken und zum Teil auch mit Lebensmitteln. Wir passierten dafür die Grenzstelle, mussten aber aufpassen uns nicht zu weit zu entfernen, um nicht versehentlich auf serbischen Boden zu treten.

Die neu aufgerüsteten Grenzstellen erinnern an eine andere, einige dachten wohl schon vergessenene, Zeit in Europa. Von einem vereinten, offenen Europa haben wir uns nie weiter entfernt gefühlt. Die Grenzen in den Köpfen unserer Gesellschaft sind längst grausame Realität geworden und es ist erschreckend, wie schnell es geht, neue Zäune zu bauen und Stacheldraht zu ziehen; hat es doch so lange gedauert und so viel Kraft gekostet, sie einst einzureißen.

Sirius Help berichtete uns, dass die ungarische Regierung offiziell jeden Tag fünf Menschen über die Grenze lässt. Und auch das nur, weil sie UN-Mitglied ist und dadurch gezwungen, Asyl in irgendeinem Maße zu gewähren. Die Abläufe zwischen der Grenzpolizei und den Freiwilligen scheinen routiniert und gut zu funktionieren. Besonnen und ruhig verhalten sich die Helfer, erklären den stetig wechselnden und deshalb oft neuen Grenzpolizisten zum Teil sogar, dass sie die Taschen mit Versorgungsgütern überprüfen müssen, damit keine Messer, Feuerzeuge oder ähnliches reinkommen. Es repräsentiert, was in Europa heutzutage so häufig der Fall ist: Die einzigen, die in dieser Krise humanitäre Verantwortung übernehmen, sind Freiwillige und Hilfsorganisationen. Menschen, die sich entschieden haben, es zu tun, weil die, deren Job es wäre, sich auch jetzt noch davor drücken. Wofür brauchen wir Regierungen, die Probleme aussitzen und verschlimmern, anstatt menschlich und nach demokratischen Grundsätzen zu handeln?

Menschenrechte und Flüchtlingskonventionen sind kein gut gemeinter Ratschlag, ohne sie ist unsere Menschlichkeit verloren. Was den Menschen, die in ihrer Flucht Schutz und Hoffnung suchen zugemutet wird, ist weit von dem entfernt, was wir glauben, ertragen zu können. Es ist bitter kalt. Menschen schlafen in Zelten, wenn nicht sogar ungeschützt im Wald. Auch unbegleitete Minderjährige sind dabei, ein Junge war gerade mal 10 Jahre alt und ohne Familie allein unterwegs. Wie kann es um Kinderrechte in Europa stehen, wenn diese Dinge, ohne mit der Wimper zu zucken, hingenommen werden? Das Absurdeste ist, dass die Menschen einem dennoch höflich und dankbar begegnen.

Wir können nur hoffen, dass sie irgendwann ein besseres Leben erwartet. Dass sich ihre unerschütterliche Würde irgendwann bezahlt macht. Die Menschen, die wir überall in Europa so viel erleiden lassen, verdienen, in der Zukunft eine bessere Gesellschaft vorzufinden. Und es ist unser aller Job - in Deutschland und überall in Europa - diese Gesellschaft zu erschaffen. Denn wir sind diese Gesellschaft im Guten mit ihrem großartigen, vielfältigen Engagement genauso wie im Schlechten mit ihren brutalen, unmenschlichen Grenzen. Wir müssen uns endlich entscheiden, in was für einer Welt wir leben wollen und dann müssen wir anfangen, sie aufzubauen.


+++Budapest-Update 13.2.17+++

Und schon sind wir wieder unterwegs. Gleich nachdem unser Calais-Team Samstagnacht wieder zurück war (ein Bericht vom letzten Tag folgt noch), haben sich Zora und Kim wieder mit dem Sprinter aufgemacht. Am Sonntag sind wir zunächst nach Wien gefahren, wo wir bei Karin übernachtet haben. Bereits bei unserem Serbien-Konvoi haben wir hier unterschlupf gefunden und einige Spenden aufgeladen.

Dieses Mal hat sich Karin, die als Ärztin für Geflüchtete in Europa leidenschaftlich und regelmäßig engagiert, uns angeschlossen und verbringt mit uns einige Tage in Budapest, bevor sie weiter nach Serbien fährt. Auch Spenden hat sie wieder gesammelt und wir haben heute eine ganze Sprinterladung Wintersachen, Decken, Schlafsäcke, Isomatten und einiges andere eingeladen und mit nach Ungarn in eines der Lager von SIRIUS.HELP in Budapest gebracht. Das Einladen haben allerdings eigentlich drei afghanische „Burschen“ übernommen, die inzwischen in Wien leben und auch eine Zeit lang bei Karin gewohnt haben. Direkt nachdem sie uns heute Morgen geholfen haben, sind die drei Jungs zum Deutschkurs in Wien gegangen. Das war eine riesen Hilfe und hat unseren Morgen nach einer langen Fahrt gestern sehr entspannt.

Dann haben wir uns auf nach Ungarn gemacht und uns darüber gefreut, dass die Spenden hier offensichtlich sehr gebraucht sind. Auf unsere Rückfrage was gebraucht würde, kam nur immer wieder „everything, we need everything“. Da die Spenden hier in Ungarn nur unregelmäßig und wenig vorhersehbar ankommen, gibt es seit Winteranbruch Probleme, die Menschen mit genügend Winterkleidung und warmen Decken zu versorgen. Der Winter hat auch hier die Geflüchteten heftig getroffen und die Freiwilligen haben versucht was ging, mit den vorhandenen Spenden aufzufangen. Jetzt wird alles an warmen Sachen gesammelt, um auf eine nächste Kältewelle vorbereitet zu sein. Wir sind jedenfalls froh, die Spenden in guten Händen und sinnvoll eingesetzt zu wissen.

Der Tag gestern war insgesamt sehr erfolgreich und es hätte eigentlich wenig besser laufen können. Dennoch gingen wir etwas nachdenklich ins Bett. Unsere Gespräche mit den Helfern im Lager und mit Karin waren intensiv und es mag am harten Winter liegen, aber sie fühlten sich auch ein wenig resigniert an. Alle scheinen etwas müde von der sich nicht verändern zu scheinenden Situation. So viele Geschichten, die man inzwischen kennt. Zu viele davon leider bisher ohne ein Happyend. So viele Enttäuschungen. So viel nicht enden wollendes Leid in dieser europäischen Krise. Wir gingen ins Bett mit unfassbar viel Respekt vor all jenen, die täglich überall in Europa gegen Windmühlen kämpfen. Die nicht aufgeben, weil aufgeben hier keine Alternative ist. ... Mehr...Weniger

+++Budapest-Update 13.2.17+++

Und schon sind wir wieder unterwegs. Gleich nachdem unser Calais-Team Samstagnacht wieder zurück war (ein Bericht vom letzten Tag folgt noch), haben sich Zora und Kim wieder mit dem Sprinter aufgemacht. Am Sonntag sind wir zunächst nach Wien gefahren, wo wir bei Karin übernachtet haben. Bereits bei unserem Serbien-Konvoi haben wir hier unterschlupf gefunden und einige Spenden aufgeladen.

Dieses Mal hat sich Karin, die als Ärztin für Geflüchtete in Europa leidenschaftlich und regelmäßig engagiert, uns angeschlossen und verbringt mit uns einige Tage in Budapest, bevor sie weiter nach Serbien fährt. Auch Spenden hat sie wieder gesammelt und wir haben heute eine ganze Sprinterladung Wintersachen, Decken, Schlafsäcke, Isomatten und einiges andere eingeladen und mit nach Ungarn in eines der Lager von SIRIUS.HELP in Budapest gebracht. Das Einladen haben allerdings eigentlich drei afghanische „Burschen“ übernommen, die inzwischen in Wien leben und auch eine Zeit lang bei Karin gewohnt haben. Direkt nachdem sie uns heute Morgen geholfen haben, sind die drei Jungs zum Deutschkurs in Wien gegangen. Das war eine riesen Hilfe und hat unseren Morgen nach einer langen Fahrt gestern sehr entspannt.

Dann haben wir uns auf nach Ungarn gemacht und uns darüber gefreut, dass die Spenden hier offensichtlich sehr gebraucht sind. Auf unsere Rückfrage was gebraucht würde, kam nur immer wieder „everything, we need everything“. Da die Spenden hier in Ungarn nur unregelmäßig und wenig vorhersehbar ankommen, gibt es seit Winteranbruch Probleme, die Menschen mit genügend Winterkleidung und warmen Decken zu versorgen. Der Winter hat auch hier die Geflüchteten heftig getroffen und die Freiwilligen haben versucht was ging, mit den vorhandenen Spenden aufzufangen. Jetzt wird alles an warmen Sachen gesammelt, um auf eine nächste Kältewelle vorbereitet zu sein. Wir sind jedenfalls froh, die Spenden in guten Händen und sinnvoll eingesetzt zu wissen.

Der Tag gestern war insgesamt sehr erfolgreich und es hätte eigentlich wenig besser laufen können. Dennoch gingen wir etwas nachdenklich ins Bett. Unsere Gespräche mit den Helfern im Lager und mit Karin waren intensiv und es mag am harten Winter liegen, aber sie fühlten sich auch ein wenig resigniert an. Alle scheinen etwas müde von der sich nicht verändern zu scheinenden Situation. So viele Geschichten, die man inzwischen kennt. Zu viele davon leider bisher ohne ein Happyend. So viele Enttäuschungen. So viel nicht enden wollendes Leid in dieser europäischen Krise. Wir gingen ins Bett mit unfassbar viel Respekt vor all jenen, die täglich überall in Europa gegen Windmühlen kämpfen. Die nicht aufgeben, weil aufgeben hier keine Alternative ist.


+++Calais-Update 10.2.2017+++

Paris... seit letztem Oktober waren wir nun zum dritten Mal dort, verbessert hat sich hier aber kaum etwas. Leider ist Paris nicht der einzige Ort, an dem viel falsch läuft. Uns wurde das besonders deutlich, als wir Corlos (sein Spitzname) kennengelernt haben. Ihn möchten wir euch gerne vorstellen, bevor wir von unserem Tag berichten. Wir haben uns allerdings dagegen entschieden, ein Bild von ihm zu veröffentlichen. Corlos kommt aus Afghanistan und spricht fließend deutsch. Er hat zwei Jahre in Ingolstadt gelebt, Sprachkurse besucht, Praktika absolviert, hatte einen Ausbildungsplatz in Aussicht – und dann wurde sein Asylantrag abgelehnt. Corlos musste Deutschland verlassen oder wäre abgeschoben worden. Die Region aus der er stammt, sei nach Ansicht der deutschen Behörden sicher gewesen. Mehrere Menschen, insbesondere aus Afghanistan, mit denen wir hier in Frankreich geredet haben, berichteten uns von ihrem ähnlichen Schicksal. Corlos entschied deshalb, nach Paris zu gehen und in Frankreich Asyl zu suchen. Nach Afghanistan, sagt er, kann er nicht zurück. "Problem ist Problem", da spiele die Region eines Krisenlandes keine Rolle. Seit drei Wochen schläft er nun auf der Straße und hat gehofft, heute ins Camp zu können. Ob er es geschafft hat, wissen wir noch nicht, warten aber noch gespannt auf die Antwort.

An Paris angekommen, haben wir zuerst der Familie die Spenden für ihr Baby gebracht und danach Paris Refugee Ground Support die Schlafsäcke aus Calais gebracht. Danach wollten wir uns mit einer Freiwilligen aus Paris für die Verteilung der restlichen Spenden beim Camp La Chapelle treffen. Die Kapazitäten hier sind deutlich geringer als Nachfrage, weshalb die Menschen die Nächte vor dem Eingang schlafen, um am nächsten Tag einen warmen Platz haben.

Etwa 300 Menschen schliefen dort die letzten Tage und Wochen auch unter einer Brücke. Mit Baustellen-Absperrungen und Decken haben sie sich provisorische Schlafplätze gebaut, um vor Wind, Nässe und Kälte wenigstens halbwegs geschützt zu sein. Als wir dort ankamen, stand jedoch schon die Polizei dort und hat den Platz geräumt. Zum Glück lief alles friedlich ab, einige sind gegangen, andere sind mit Bussen in nahegelegene CAOs gebracht, sagte uns die Polizei. "Die Zustände hier sind zehnmal schlimmer als in meinem Heimatland. Nur wenn ich dorthin zurückgehe, sterbe ich", sagte uns ein aus Somalia stammender Mann.

Wir haben zuerst die zurückgelassenen Decken und Schlafsäcke eingesammelt, sortiert und in ein Lager gebracht, damit die in den nächsten Tagen und Wochen wieder verteilt werden können. Es war mehr als eine komplette Transporterladung, die wir so zusammenbekommen haben.

Als wir damit fertig waren, sind wir zu einem anderen Ort in Paris gefahren, an dem noch mehrere Menschen schutzlos dem Wetter ausgesetzt sind. Wir vor La Chapelle schlafen sie hier zwischen Absperrgittern, eingehüllt in Massen von Decken und Schlafsäcken. Wir haben sie mit neuen Kleidern und noch mehr Decken und Schlafsäcken ausgestattet, damit sie dem Wetter nicht ganz so ausgeliefert sind. Da wir noch Spenden übrig hatten, sind wir noch einmal zum La Chapelle Camp gefahren, um hier die restlichen Spenden zu verteilen.

Heute morgen um sechs Uhr sind wir wieder in Calais angekommen und haben nach ein paar Stunden Schlaf wieder im Warehouse mit angepackt, Spenden sortiert und den Wagen für die Nacht-Verteilung für die Minderjährigen hier in Calais gepackt. Die Freiwilligen sprechen davon, dass sich inzwischen etwa 160 Jugendliche in Calais aufhalten – täglich werden es mehr. Wir brechen deshalb gleich zur Verteilung auf, bevor für uns morgen der letzte Tag beginnt... ... Mehr...Weniger

+++Calais-Update 10.2.2017+++

Paris... seit letztem Oktober waren wir nun zum dritten Mal dort, verbessert hat sich hier aber kaum etwas. Leider ist Paris nicht der einzige Ort, an dem viel falsch läuft. Uns wurde das besonders deutlich, als wir Corlos (sein Spitzname) kennengelernt haben. Ihn möchten wir euch gerne vorstellen, bevor wir von unserem Tag berichten. Wir haben uns allerdings dagegen entschieden, ein Bild von ihm zu veröffentlichen. Corlos kommt aus Afghanistan und spricht fließend deutsch. Er hat zwei Jahre in Ingolstadt gelebt, Sprachkurse besucht, Praktika absolviert, hatte einen Ausbildungsplatz in Aussicht – und dann wurde sein Asylantrag abgelehnt. Corlos musste Deutschland verlassen oder wäre abgeschoben worden. Die Region aus der er stammt, sei nach Ansicht der deutschen Behörden sicher gewesen. Mehrere Menschen, insbesondere aus Afghanistan, mit denen wir hier in Frankreich geredet haben, berichteten uns von ihrem ähnlichen Schicksal. Corlos entschied deshalb, nach Paris zu gehen und in Frankreich Asyl zu suchen. Nach Afghanistan, sagt er, kann er nicht zurück. Problem ist Problem, da spiele die Region eines Krisenlandes keine Rolle. Seit drei Wochen schläft er nun auf der Straße und hat gehofft, heute ins Camp zu können. Ob er es geschafft hat, wissen wir noch nicht, warten aber noch gespannt auf die Antwort.

An Paris angekommen, haben wir zuerst der Familie die Spenden für ihr Baby gebracht und danach Paris Refugee Ground Support die Schlafsäcke aus Calais gebracht. Danach wollten wir uns mit einer Freiwilligen aus Paris für die Verteilung der restlichen Spenden beim Camp La Chapelle treffen. Die Kapazitäten hier sind deutlich geringer als Nachfrage, weshalb die Menschen die Nächte vor dem Eingang schlafen, um am nächsten Tag einen warmen Platz haben.

Etwa 300 Menschen schliefen dort die letzten Tage und Wochen auch unter einer Brücke. Mit Baustellen-Absperrungen und Decken haben sie sich provisorische Schlafplätze gebaut, um vor Wind, Nässe und Kälte wenigstens halbwegs geschützt zu sein. Als wir dort ankamen, stand jedoch schon die Polizei dort und hat den Platz geräumt. Zum Glück lief alles friedlich ab, einige sind gegangen, andere sind mit Bussen in nahegelegene CAOs gebracht, sagte uns die Polizei. Die Zustände hier sind zehnmal schlimmer als in meinem Heimatland. Nur wenn ich dorthin zurückgehe, sterbe ich, sagte uns ein aus Somalia stammender Mann.

Wir haben zuerst die zurückgelassenen Decken und Schlafsäcke eingesammelt, sortiert und in ein Lager gebracht, damit die in den nächsten Tagen und Wochen wieder verteilt werden können. Es war mehr als eine komplette Transporterladung, die wir so zusammenbekommen haben.

Als wir damit fertig waren, sind wir zu einem anderen Ort in Paris gefahren, an dem noch mehrere Menschen schutzlos dem Wetter ausgesetzt sind. Wir vor La Chapelle schlafen sie hier zwischen Absperrgittern, eingehüllt in Massen von Decken und Schlafsäcken. Wir haben sie mit neuen Kleidern und noch mehr Decken und Schlafsäcken ausgestattet, damit sie dem Wetter nicht ganz so ausgeliefert sind. Da wir noch Spenden übrig hatten, sind wir noch einmal zum La Chapelle Camp gefahren, um hier die restlichen Spenden zu verteilen.

Heute morgen um sechs Uhr sind wir wieder in Calais angekommen und haben nach ein paar Stunden Schlaf wieder im Warehouse mit angepackt, Spenden sortiert und den Wagen für die Nacht-Verteilung für die Minderjährigen hier in Calais gepackt. Die Freiwilligen sprechen davon, dass sich inzwischen etwa 160 Jugendliche in Calais aufhalten – täglich werden es mehr. Wir brechen deshalb gleich zur Verteilung auf, bevor für uns morgen der letzte Tag beginnt...


+++Calais-Update 9.2.2017+++

Wir melden uns heute etwas früher ab, da wir uns jetzt auf den Weg nach Paris machen. Dort werden wir zunächst eine Mutter mit einem fünf Wochen alten Baby mit einem Kinderwagen und weiteren Spenden ausstatten und zwei Teams mit Spenden beliefern. Mit der zweiten Freiwilligen, Danika, werden wir die Spenden heute Nacht auch gleich verteilen. Im Gepäck haben wir mehrere Hundert Schlafsäcke, die gerade nach Calais geliefert worden sind, Decken, Pullover, Jacken, Mützen, Handschuhe und Schals. Morgen früh werden wir zurück in Calais sein und euch im Laufe des Tages über die Situation in Paris berichten.

Bevor wir beladen haben, haben wir Spenden sortiert und auch zwei Paletten mit Wintersachen und Decken aus Deutschland bekommen. Vielen Dank dafür an Ute und Daniela, die uns vor wenigen Tagen gefragt haben, ob die Spenden in Calais benötigt werden und alles in die Wege leiteten. Danke auch an K2 und Katharina, die den Transport der Paletten übernommen haben. ... Mehr...Weniger

+++Calais-Update 9.2.2017+++

Wir melden uns heute etwas früher ab, da wir uns jetzt auf den Weg nach Paris machen. Dort werden wir zunächst eine Mutter mit einem fünf Wochen alten Baby mit einem Kinderwagen und weiteren Spenden ausstatten und zwei Teams mit Spenden beliefern. Mit der zweiten Freiwilligen, Danika, werden wir die Spenden heute Nacht auch gleich verteilen. Im Gepäck haben wir mehrere Hundert Schlafsäcke, die gerade nach Calais geliefert worden sind, Decken, Pullover, Jacken, Mützen, Handschuhe und Schals. Morgen früh werden wir zurück in Calais sein und euch im Laufe des Tages über die Situation in Paris berichten.

Bevor wir beladen haben, haben wir Spenden sortiert und auch zwei Paletten mit Wintersachen und Decken aus Deutschland bekommen. Vielen Dank dafür an Ute und Daniela, die uns vor wenigen Tagen gefragt haben, ob die Spenden in Calais benötigt werden und alles in die Wege leiteten. Danke auch an K2 und Katharina, die den Transport der Paletten übernommen haben.


+++Calais-Update 8.2.2017+++

Gestern sind wir abends noch in Langres in einem CAO gewesen, um die restlichen Spenden abzugeben. Etwa 45 Menschen leben dort in einem ehemaligen Krankenhaus. Unten gibt es zwei große Küchen, die Zimmer durften wir nicht sehen – das war die Hausordnung. Die Menschen sagten uns aber, dass die Hygene dort in Ordnung sind. Sie haben uns außerdem zum Essen eingeladen und mit uns noch eine nächtliche Wanderung durch Langres gemacht, um uns ihre neue Heimat zu zeigen. Es war erstaunlich, wie viel sie über den Ort bereits wussten. Sie haben ihn auch schon lieben gelernt, mögen die Aussicht und die alten Häuser, die teilweise fast 400 Jahre alt sind. Am Wall sind auch immer wieder Karten angebracht, die Entfernungen zu anderen Städten zeigen. 570 Kilometer sind es von Langres bis London – das Ziel vieler Menschen.

Einige haben sich inzwischen damit eingerichtet, dass sie ihr neues Leben in Frankreich beginnen werden. Ein Bewohner, mit dem wir gesprochen haben, darf auch bald in eine eigene Wohnung. Das größte Problem ist neben der Sozialhilfe von 210€ im Monat, von der neben dem Essen auch Klamotten, Handy-Guthaben oder Essen gekauft werden müssen, auch hier die Sprachbarriere. Mit einmal zwei Stunden Sprachkurs in der Woche kommen sie nicht weit, zumal der Unterricht nur auf Französisch stattfindet. Aber sie sagen, dass die Bewohner immerhin nicht rassistisch wären und man sich grüßt. Gespräche seien zwar noch nicht möglich, aber wenn die Sprachkenntnisse steigen, sollte auch das funktionieren. Die Zufriedenheit hier wirkte auf uns deutlich höher als noch zuvor in Straßburg.

Weil wir von der Tour gestern erst heute morgen um 7 Uhr zurück in Calais waren, haben wir erst etwas später angefangen. Als wir im Warehouse ankamen, wurde ein LKW mit Spenden, die zurück nach Großbritannien gingen, gefüllt. Später haben wir uns wieder aufgeteilt, um im Warehouse zu arbeiten, jemanden im Krankenhaus zu besuchen und wieder am Bahnhof zu patroullieren.

Im Krankenhaus haben wir einen Flüchtenden besucht, der eine Infektion am Fuß hat. Der 20-Jährige kam kurz vor der Räumung des Dschungels nach Calais und wird nun hier behandelt. Auch andere, die vor allem Probleme mit den Füßen haben, finden in der Einrichtung zu bestimmten Zeiten Hilfe.

Bei der Patrouille haben wir rund 20 Menschen rund um den Bahnhof getroffen, einige mit Essen, Mützen, Handschuhen und Schals versorgt. Einige sind auch neu angekommen, sechs unbegleitete Minderjährige wurden allerdings von der Polizei aufgehalten und müssen die Nacht - soweit wir wissen - im Gefängnis verbringen. Immerhin durften wir sie vorher noch mit dem, was wir dabei hatten, ausstatten. ... Mehr...Weniger

+++Calais-Update 8.2.2017+++

Gestern sind wir abends noch in Langres in einem CAO gewesen, um die restlichen Spenden abzugeben. Etwa 45 Menschen leben dort in einem ehemaligen Krankenhaus. Unten gibt es zwei große Küchen, die Zimmer durften wir nicht sehen – das war die Hausordnung. Die Menschen sagten uns aber, dass die Hygene dort in Ordnung sind. Sie haben uns außerdem zum Essen eingeladen und mit uns noch eine nächtliche Wanderung durch Langres gemacht, um uns ihre neue Heimat zu zeigen. Es war erstaunlich, wie viel sie über den Ort bereits wussten. Sie haben ihn auch schon lieben gelernt, mögen die Aussicht und die alten Häuser, die teilweise fast 400 Jahre alt sind. Am Wall sind auch immer wieder Karten angebracht, die Entfernungen zu anderen Städten zeigen. 570 Kilometer sind es von Langres bis London – das Ziel vieler Menschen.

Einige haben sich inzwischen damit eingerichtet, dass sie ihr neues Leben in Frankreich beginnen werden. Ein Bewohner, mit dem wir gesprochen haben, darf auch bald in eine eigene Wohnung. Das größte Problem ist neben der Sozialhilfe von 210€ im Monat, von der neben dem Essen auch Klamotten, Handy-Guthaben oder Essen gekauft werden müssen, auch hier die Sprachbarriere. Mit einmal zwei Stunden Sprachkurs in der Woche kommen sie nicht weit, zumal der Unterricht nur auf Französisch stattfindet. Aber sie sagen, dass die Bewohner immerhin nicht rassistisch wären und man sich grüßt. Gespräche seien zwar noch nicht möglich, aber wenn die Sprachkenntnisse steigen, sollte auch das funktionieren. Die Zufriedenheit hier wirkte auf uns deutlich höher als noch zuvor in Straßburg.

Weil wir von der Tour gestern erst heute morgen um 7 Uhr zurück in Calais waren, haben wir erst etwas später angefangen. Als wir im Warehouse ankamen, wurde ein LKW mit Spenden, die zurück nach Großbritannien gingen, gefüllt. Später haben wir uns wieder aufgeteilt, um im Warehouse zu arbeiten, jemanden im Krankenhaus zu besuchen und wieder am Bahnhof zu patroullieren.

Im Krankenhaus haben wir einen Flüchtenden besucht, der eine Infektion am Fuß hat. Der 20-Jährige kam kurz vor der Räumung des Dschungels nach Calais und wird nun hier behandelt. Auch andere, die vor allem Probleme mit den Füßen haben, finden in der Einrichtung zu bestimmten Zeiten Hilfe.

Bei der Patrouille haben wir rund 20 Menschen rund um den Bahnhof getroffen, einige mit Essen, Mützen, Handschuhen und Schals versorgt. Einige sind auch neu angekommen, sechs unbegleitete Minderjährige wurden allerdings von der Polizei aufgehalten und müssen die Nacht - soweit wir wissen - im Gefängnis verbringen. Immerhin durften wir sie vorher noch mit dem, was wir dabei hatten, ausstatten.


+++Strasbourg 7.2.2017+++

Wir haben immer noch einen ziemlichen Kloß im Hals. Etwa 100 Menschen leben in Straßburg in einem Gebäude, das nicht aussieht, als wäre es fertig. Mit dem Auto sind es keine fünf Minuten zum Europaparlament.

Auch hier wird uns wieder gesagt: Ja, es ist zwar besser als der Dschungel. Wie Menschen fühlen sie sich jedoch nicht behandelt. Mit Tränen in den Augen hat Mohammad uns erzählt, wie die Leute sich von ihm abwenden, das Gespräch beenden, sobald er erzählt, dass er aus Afghanistan kommt; in seiner Heimat wollten ihn die Taliban umbringen. Es ist beschämend, wie die Menschen hier auf sich alleine gestellt sind. Allein, dass wir wenn auch nur kurz da waren, hat die Jungs total gefreut.

Die Integration fällt ihnen in Straßburg sehr schwer. Auch sie bekommen nur zwei mal pro Woche für zwei Stunden Sprachunterricht, was nicht ausreichend ist. Sprich: Mit dem Großteil der Bevölkerung können sie sich auch gar nicht verständigen. Angebote zum Kennenlernen, wie wir sie aus Bremen kennen und lieben, sind anscheinend kaum existent.

Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass es auch französische Freiwillige gibt. In Gesprächen mit Locals wurde uns gesagt, dass sich auch Teile der Bevölkerung engagieren. Aber offensichtlich sind es deutlich zu wenig, um Integration zu ermöglichen - zumal der Staat die Strukturen dafür nicht schafft.

340€ bekommen die Bewohner nach eigenen Angaben monatlich, manchmal auch nur 330€, derzeit warten sie noch auf ihr Geld. Allerdings kostet das Wäsche waschen hier 3€ pro Ladung und 2€ das Trocknen. Mohammad ist seit fast 8 Monaten in Straßburg und wartet noch immer darauf, dass sein Asylantrag bearbeitet wird. Bei anderen gehe das deutlich schneller, er fühlt sich benachteiligt. Denn ohne Asyl darf er auch nicht arbeiten. Er hofft, sich hier bald ein Leben in Frieden und Sicherheit aufzubauen.

Uns stehen jetzt noch einmal knapp drei Stunden Autofahrt bevor. Der nächste Stopp heißt Langres, wo wir noch ein CAO ansteuern. Danach geht es zurück nach Calais. Da es heute wahrscheinlich etwas später wird, schreiben wir den nächsten Bericht morgen. ... Mehr...Weniger

+++Strasbourg 7.2.2017+++

Wir haben immer noch einen ziemlichen Kloß im Hals. Etwa 100 Menschen leben in Straßburg in einem Gebäude, das nicht aussieht, als wäre es fertig. Mit dem Auto sind es keine fünf Minuten zum Europaparlament.

Auch hier wird uns wieder gesagt: Ja, es ist zwar besser als der Dschungel. Wie Menschen fühlen sie sich jedoch nicht behandelt. Mit Tränen in den Augen hat Mohammad uns erzählt, wie die Leute sich von ihm abwenden, das Gespräch beenden, sobald er erzählt, dass er aus Afghanistan kommt; in seiner Heimat wollten ihn die Taliban umbringen. Es ist beschämend, wie die Menschen hier auf sich alleine gestellt sind. Allein, dass wir wenn auch nur kurz da waren, hat die Jungs total gefreut.

Die Integration fällt ihnen  in Straßburg sehr schwer. Auch sie bekommen nur zwei mal pro Woche für zwei Stunden Sprachunterricht, was nicht ausreichend ist. Sprich: Mit dem Großteil der Bevölkerung können sie sich auch gar nicht verständigen. Angebote zum Kennenlernen, wie wir sie aus Bremen kennen und lieben, sind anscheinend kaum existent. 

Wir möchten an dieser Stelle betonen, dass es auch französische Freiwillige gibt. In Gesprächen mit Locals wurde uns gesagt, dass sich auch Teile der Bevölkerung engagieren. Aber offensichtlich sind es deutlich zu wenig, um Integration zu ermöglichen - zumal der Staat die Strukturen dafür nicht schafft. 

340€ bekommen die Bewohner nach eigenen Angaben monatlich, manchmal auch nur 330€, derzeit warten sie noch auf ihr Geld. Allerdings kostet das Wäsche waschen hier 3€ pro Ladung und 2€ das Trocknen. Mohammad ist seit fast 8 Monaten in Straßburg und wartet noch immer darauf, dass sein Asylantrag bearbeitet wird. Bei anderen gehe das deutlich schneller, er fühlt sich benachteiligt. Denn ohne Asyl darf er auch nicht arbeiten. Er hofft, sich hier bald ein Leben in Frieden und Sicherheit aufzubauen. 

Uns stehen jetzt noch einmal knapp drei Stunden Autofahrt bevor. Der nächste Stopp heißt Langres, wo wir noch ein CAO ansteuern. Danach geht es zurück nach Calais. Da es heute wahrscheinlich etwas später wird, schreiben wir den nächsten Bericht morgen.


+++Calais-Update 7.2.2017+++

Nach knapp vier Stunden Autofahrt haben wir unser erstes Ziel für heute erreicht. Montmedy ist ein kleiner, alter Ort. In einer etwas abgelegenen Wohnung leben auf drei Zimmern sieben Menschen aus dem Sudan. Im Nachbarort gibt es wohl noch eine ähnliche Wohnung.

Die Wohnung selbst ist zwar nur spärlich eingerichtet, hat aber alles, was man zum Überleben braucht. Es reicht zum Überleben trifft eigentlich auf alle Bereiche zu. In einem Nachbarort haben sie eine Ansprechpartnerin, sagen sie, Unterstützung bei der Arbeitssuche oder eine Möglichkeit zur Bildung bekommen sie nicht. Nur Samstags wird ein 90 minütiger Französisch-Sprachkurs angeboten.

Sie wohnen zwar zwischen Franzosen und haben Asyl bekommen, aufgrund der Sprachbarriere haben sie aber keine Kontakte vor Ort. Angebote, um mit örtlichen Leuten in Kontakt zu kommen gibt es ebenfalls nicht. So existieren sie zwar, als Teil der Gesellschaft fühlen sie sich aber nicht.

Wir haben Ihnen nun einiges an Kleidung, Hygieneartikeln und Nahrung da gelassen. Wie sie erzählten, bekommen sie monatlich nur rund 200€. Wir selbst sind jetzt auf dem Weg nach Straßburg, wo wir die nächste Unterkunft ansteuern... ... Mehr...Weniger

+++Calais-Update 7.2.2017+++

Nach knapp vier Stunden Autofahrt haben wir unser erstes Ziel für heute erreicht. Montmedy ist ein kleiner, alter Ort. In einer etwas abgelegenen Wohnung leben auf drei Zimmern sieben Menschen aus dem Sudan. Im Nachbarort gibt es wohl noch eine ähnliche Wohnung. 

Die Wohnung selbst ist zwar nur spärlich eingerichtet, hat aber alles, was man zum Überleben braucht. Es reicht zum Überleben trifft eigentlich auf alle Bereiche zu. In einem Nachbarort haben sie eine Ansprechpartnerin, sagen sie, Unterstützung bei der Arbeitssuche oder eine Möglichkeit zur Bildung bekommen sie nicht. Nur Samstags wird ein 90 minütiger Französisch-Sprachkurs angeboten.

Sie wohnen zwar zwischen Franzosen und haben Asyl bekommen, aufgrund der Sprachbarriere haben sie aber keine Kontakte vor Ort. Angebote, um mit örtlichen Leuten in Kontakt zu kommen gibt es ebenfalls nicht. So existieren sie zwar, als Teil der Gesellschaft fühlen sie sich aber nicht.

Wir haben Ihnen nun einiges an Kleidung, Hygieneartikeln und Nahrung da gelassen. Wie sie erzählten, bekommen sie monatlich nur rund 200€. Wir selbst sind jetzt auf dem Weg nach Straßburg, wo wir die nächste Unterkunft ansteuern...


+++Calais-Update 6.2.2017+++

Während wir gestern kaum Zeit im Warehouse verbracht haben und ständig unterwegs waren, haben wir heute mehr beim Sortieren geholfen. Unsere Aufgaben waren dennoch vielfältig, weshalb wir uns auch aufteilten.

Zum einen sind wir erstmals in ein CAO (eine staatlich Unterkunft) für unbegleitete Minderjährige in Saint Omer gefahren, um angefragte Spenden abzugeben. Ohne die Hilfe eines zufällig getroffenen Flüchtenden hätten wir die Unterkunft gar nicht gefunden, sie liegt unscheinbar nahe des Stadtzentrums. Etwa 45 Jugendliche sind hier, bis zu fünf Tage dürfen sie dort bleiben. Dann müssen sie einen Tag irgendwo anders – was meistens die Straße bedeutet – schlafen. Wir hatten dabei einige gute Gespräche mit den Bewohnern, mit dem Personal konnten wir uns allerdings nicht unterhalten, da die Mitarbeiter kaum Englisch sprachen.

Nachdem die Mittagspatrouille etwa 40 Menschen in der Nähe des Bahnhofs in Calais getroffen hatte, haben wir am Nachmittag noch etwa 15 Menschen vor Ort versorgt.

Zwischenzeitlich haben wir im Warehouse auch alles für vier Touren vorbereitet. Bereits am Nachmittag wurde ein Caddy vor allem mit Decken und Schlafsäcken beladen, die in Paris gebraucht werden. Dort werden wir vermutlich auch in den nächsten Tagen noch einmal hinfahren, um Spenden vorbeizubringen und zu verteilen.

Vorher steht uns aber morgen noch eine lange Tour bevor. Wir werden drei CAOs anfahren und mit angefragten Spenden beliefern. Die Kleidung, Nahrung und Hygieneartikel dafür zusammenzustellen hat heute Nachmittag einige Stunden Zeit gekostet. Nun sind wir aber schon beladen und können morgen früh direkt losfahren. Denn uns erwarten mehrere Hundert Kilometer Autofahrt, wir rechnen damit, dass wir etwa 18 Stunden unterwegs sein werden. Schließlich kommen wir nicht nur, um Spenden abzuliefern. Wir wollen den Menschen zeigen, dass wir zu ihnen stehen. ... Mehr...Weniger

+++Calais-Update 6.2.2017+++

Während wir gestern kaum Zeit im Warehouse verbracht haben und ständig unterwegs waren, haben wir heute mehr beim Sortieren geholfen. Unsere Aufgaben waren dennoch vielfältig, weshalb wir uns auch aufteilten.

Zum einen sind wir erstmals in ein CAO (eine staatlich Unterkunft) für unbegleitete Minderjährige in Saint Omer gefahren, um angefragte Spenden abzugeben. Ohne die Hilfe eines zufällig getroffenen Flüchtenden hätten wir die Unterkunft gar nicht gefunden, sie liegt unscheinbar nahe des Stadtzentrums. Etwa 45 Jugendliche sind hier, bis zu fünf Tage dürfen sie dort bleiben. Dann müssen sie einen Tag irgendwo anders – was meistens die Straße bedeutet – schlafen. Wir hatten dabei einige gute Gespräche mit den Bewohnern, mit dem Personal konnten wir uns allerdings nicht unterhalten, da die Mitarbeiter kaum Englisch sprachen.

Nachdem die Mittagspatrouille etwa 40 Menschen in der Nähe des Bahnhofs in Calais getroffen hatte, haben wir am Nachmittag noch etwa 15 Menschen vor Ort versorgt.

Zwischenzeitlich haben wir im Warehouse auch alles für vier Touren vorbereitet. Bereits am Nachmittag wurde ein Caddy vor allem mit Decken und Schlafsäcken beladen, die in Paris gebraucht werden. Dort werden wir vermutlich auch in den nächsten Tagen noch einmal hinfahren, um Spenden vorbeizubringen und zu verteilen.

Vorher steht uns aber morgen noch eine lange Tour bevor. Wir werden drei CAOs anfahren und mit angefragten Spenden beliefern. Die Kleidung, Nahrung und Hygieneartikel dafür zusammenzustellen hat heute Nachmittag einige Stunden Zeit gekostet. Nun sind wir aber schon beladen und können morgen früh direkt losfahren. Denn uns erwarten mehrere Hundert Kilometer Autofahrt, wir rechnen damit, dass wir etwa 18 Stunden unterwegs sein werden. Schließlich kommen wir nicht nur, um Spenden abzuliefern. Wir wollen den Menschen zeigen, dass wir zu ihnen stehen.


+++Calais-Update 5.2.2017+++

Es ist unfassbar, wie ein Land geltendes Recht mit Füßen tritt. Frust, Enttäuschung, Ärger, Wut – eine Mischung aus all dem steckt noch immer in uns von heute. Auf Anweisung unseres Koordinators haben wir heute einen 17-jährigen Jungen aus Eritrea zur Polizeistation gebracht. Er wollte am Bahnhof zu einer nahegelegenen Unterkunft für Minderjährige, hatte aber kein Geld für das Ticket. Weil die Polizei für den Schutz von Minderjährigen zuständig ist, sollten wir ihn zur Wache bringen, damit sie für den Transfer nach Saint Omer sorgen.

Auf der Wache riefen sie irgendwo an und sagten uns danach, dass das Center heute geschlossen wäre und wir es morgen wieder versuchen sollen. Auf die Frage, was wir machen sollen, der Junge würde sonst auf der Straße schlafen, hieß es nur: "Wir haben keine Lösung für euch." Wir sollten morgen wieder kommen. Danach wurden wir aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Unsere Koordinatoren schalteten daraufhin eine Organisation ein, die bei rechtlichen Problemen hilft. Wir erfuhren, dass das Center in Saint Omer noch Platz für ihn hätte. Mit dieser Information klingelten wir also erneut, sagten dies.
Die Antwort: "Morgen!".
Reingelassen wurden wir nicht mehr. Auch auf weiteres Klingeln wurde nicht mehr reagiert.

Als wenig später drei Polizisten gerade von der Streife zurück zur Wache kamen, sprachen wir diese an und baten um Hilfe. Sie sagten, dass sie sich darum kümmern wurden und nahmen den Jungen mit rein, wir durften ihn nicht mehr begleiten. Zehn Minuten später klingelten wir erneut und wollten wissen, was nun passieren wird. Daraufhin kam ein anderer Polizist raus und raunte uns entgegen: "Das ist nicht euer Problem. Das ist das Problem der Polizei!" Wir entgegneten, dass die Regierung und damit auch die Polizei für die Sicherheit von Minderjährigen verantwortlich seien. Die Antwort darauf war ein Platzverweis vom Gelände der Polizeistation. Wir blieben stehen und wieder einige Momente später kam einer der drei Polizisten, die wir angesprochen und um Hilfe gebeten haben. Er sagte, sie würden den Jungen in eines der Zentren bringen. Nach dem, was wir erlebt haben, haben wir dennoch ein sehr schlechtes Gefühl dabei, den Jungen alleinegelassen zu haben. Wir werden morgen versuchen rauszufinden, was wirklich geschehen ist.

Denn wie die Polizei handelt, haben wir wenig vorher am Bahnhof erlebt. Teilweise schwer bewaffnet stehen sie schon am Eingang. Sie holten drei Minderjährige Jungs aus dem Zug, die ebenfalls in das Zentrum nach Saint Omer wollten, weil sie kein Ticket hatten und fragten sie danach an die Wand gestellt aus. Als sie ihre Alter nannten, folgte keine Reaktion der Fürsorge. Weil das Englisch der Polizisten weitaus schlechter war als das der Flüchtenden, war die Kommunikation ohnehin kaum möglich. Als wir uns einschalteten, sagten sie, dass Problem sei, dass sie keine Tickets hätten. Wir boten an, es zu kaufen und damit war die Situation aufgelöst. Wären alle Probleme so einfach lösbar – wir hätten keine mehr...

Am Bahnhof haben wir über unsere Schicht etwa zehn Menschen betreut und mit benötigter Kleidung sowie Essen ausgestattet, die wir noch vom Vortag übrig hatten. Sieben von ihnen waren unter 18 Jahre alt.

Wir waren auch wieder im Abschiebegefängnis. Mit drei Namen auf dem Zettel waren wir guter Dinge, dass es reibungslos ablaufen würde. Zuerst wurden wir aber nicht reingelassen, weil niemand auf unserer Liste auch auf der der Polizei stand. Der Sudanese, den wir gestern gesprochen hatten, war bei Gericht, von den anderen wissen wir nicht, was passiert ist. Abgeschoben, auf freiem Fuß? Das konnte uns vor Ort niemand beantworten. Wir riefen daher in den Zellblöcken an und bekamen zwei Leute ans Telefon, darunter den Mici aus Albanien, den wir gestern schon besucht hatten. Er möchte zurück nach Albanien, weil seine Eltern krank sind. Seine Dokumente und ein Rucksack liegen aber noch in Düsseldorf beziehungsweise Dortmund, weshalb er nicht in sein Heimatland abgeschoben werden kann. Wir wollen in den nächsten Tagen versuchen, ob wir ihm dabei helfen können. Dafür müssen wir uns aber selber noch informieren, wer die richtigen Ansprechpartner sind. Die zweite Person aus Afghanistan durften wir allerdings nicht besuchen: Der Name, den er uns buchstabiert hat, stimmte nicht mit dem auf der Liste der Polizei (die wir nicht sehen dürfen) ein. Und wenn nur ein Buchstabe abweicht, dürfen wir die Person nicht besuchen.

Abends sind wir wieder zur Verteilung in das Industriegebiet gefahren. Etwa 30 Menschen haben uns dort trotz Regen, Kälte und Wind getroffen. Wir haben mit Care4Calais und anderen Organisationen alle, die wollten, mit wasserdichter Kleidung versorgt, Tee und Essen verteilt. Heute haben wir auch erlebt, wie es aussieht, wenn dabei die Polizei auftaucht: Sobald das Auto gesehen wird, rennen die Menschen Richtung Feld und Wald, um auf Distanz zu bleiben. Die Polizisten sind jedoch nicht ausgestiegen sondern nur vor unsere Autos gefahren – wahrscheinlich, um die Kennzeichen zu notieren. Danach fuhren sie weg und die Menschen kamen wieder zu uns.

Wir haben uns dort auch mit einem Eritreer unterhalten, der bereits gut Englisch spricht. In Frankreich halten sich viele Eritreer, Sudanesen und Afghanen auf. Auf die Frage, warum er sein Land verlassen hat, antwortete er nur: "Eritrea ist eine Diktatur." Er möchte nach England, weil er dort Verwandte hat.
Das CAO ( staatliche Unterkünfte) in Le Havre hat er verlassen, weil die Versorgung dort nicht ausreichend ist. Da sei es besser, in den Wäldern und Straßen von Calais zu schlafen mit der Hoffnung, es doch eines Tages nach London zu schaffen. Wir möchten an dieser Stelle zum Abschluss einen Spiegel-Artikel aus 2016 zitieren, der von der EU-Politik und den Zuständen in afrikanischen Ländern, darunter Eritrea, befasst. "Eritrea ist ein Staat, über den selbst Diplomaten offen sagen, er sei eine beinharte Diktatur. [...] Die Regierung habe "in den vergangenen 25 Jahren systematisch Menschenrechtsverbrechen begangen", so ein aktueller Uno-Bericht. Sicherheitskräfte würden mit Billigung der Regierung willkürlich inhaftieren, foltern und töten." Und später:

www.spiegel.de/politik/ausland/eu-kooperation-mit-afrika-gegen-fluechtlinge-fragwuerdige-freunde-... ... Mehr...Weniger

+++Calais-Update 5.2.2017+++

Es ist unfassbar, wie ein Land geltendes Recht mit Füßen tritt. Frust, Enttäuschung, Ärger, Wut – eine Mischung aus all dem steckt noch immer in uns von heute. Auf Anweisung unseres Koordinators haben wir heute einen 17-jährigen Jungen aus Eritrea zur Polizeistation gebracht. Er wollte am Bahnhof zu einer nahegelegenen Unterkunft für Minderjährige, hatte aber kein Geld für das Ticket. Weil die Polizei für den Schutz von Minderjährigen zuständig ist, sollten wir ihn zur Wache bringen, damit sie für den Transfer nach Saint Omer sorgen.

Auf der Wache riefen sie irgendwo an und sagten uns danach, dass das Center heute geschlossen wäre und wir es morgen wieder versuchen sollen. Auf die Frage, was wir machen sollen, der Junge würde sonst auf der Straße schlafen, hieß es nur: Wir haben keine Lösung für euch. Wir sollten morgen wieder kommen. Danach wurden wir aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Unsere Koordinatoren schalteten daraufhin eine Organisation ein, die bei rechtlichen Problemen hilft. Wir erfuhren, dass das Center in Saint Omer noch Platz für ihn hätte. Mit dieser Information klingelten wir also erneut, sagten dies.
Die Antwort: Morgen!. 
Reingelassen wurden wir nicht mehr. Auch auf weiteres Klingeln wurde nicht mehr reagiert.

Als wenig später drei Polizisten gerade von der Streife zurück zur Wache kamen, sprachen wir diese an und baten um Hilfe. Sie sagten, dass sie sich darum kümmern wurden und nahmen den Jungen mit rein, wir durften ihn nicht mehr begleiten. Zehn Minuten später klingelten wir erneut und wollten wissen, was nun passieren wird. Daraufhin kam ein anderer Polizist raus und raunte uns entgegen: Das ist nicht euer Problem. Das ist das Problem der Polizei! Wir entgegneten, dass die Regierung und damit auch die Polizei für die Sicherheit von Minderjährigen verantwortlich seien. Die Antwort darauf war ein Platzverweis vom Gelände der Polizeistation. Wir blieben stehen und wieder einige Momente später kam einer der drei Polizisten, die wir angesprochen und um Hilfe gebeten haben. Er sagte, sie würden den Jungen in eines der Zentren bringen. Nach dem, was wir erlebt haben, haben wir dennoch ein sehr schlechtes Gefühl dabei, den Jungen alleinegelassen zu haben. Wir werden morgen versuchen rauszufinden, was wirklich geschehen ist.

Denn wie die Polizei handelt, haben wir wenig vorher am Bahnhof erlebt. Teilweise schwer bewaffnet stehen sie schon am Eingang. Sie holten drei Minderjährige Jungs aus dem Zug, die ebenfalls in das Zentrum nach Saint Omer wollten, weil sie kein Ticket hatten und fragten sie danach an die Wand gestellt aus. Als sie ihre Alter nannten, folgte keine Reaktion der Fürsorge. Weil das Englisch der Polizisten weitaus schlechter war als das der Flüchtenden, war die Kommunikation ohnehin kaum möglich. Als wir uns einschalteten, sagten sie, dass Problem sei, dass sie keine Tickets hätten. Wir boten an, es zu kaufen und damit war die Situation aufgelöst. Wären alle Probleme so einfach lösbar – wir hätten keine mehr...

Am Bahnhof haben wir über unsere Schicht etwa zehn Menschen betreut und mit benötigter Kleidung sowie Essen ausgestattet, die wir noch vom Vortag übrig hatten. Sieben von ihnen waren unter 18 Jahre alt.

Wir waren auch wieder im Abschiebegefängnis. Mit drei Namen auf dem Zettel waren wir guter Dinge, dass es reibungslos ablaufen würde. Zuerst wurden wir aber nicht reingelassen, weil niemand auf unserer Liste auch auf der der Polizei stand. Der Sudanese, den wir gestern gesprochen hatten, war bei Gericht, von den anderen wissen wir nicht, was passiert ist. Abgeschoben, auf freiem Fuß? Das konnte uns vor Ort niemand beantworten. Wir riefen daher in den Zellblöcken an und bekamen zwei Leute ans Telefon, darunter den Mici aus Albanien, den wir gestern schon besucht hatten. Er möchte zurück nach Albanien, weil seine Eltern krank sind. Seine Dokumente und ein Rucksack liegen aber noch in Düsseldorf beziehungsweise Dortmund, weshalb er nicht in sein Heimatland abgeschoben werden kann. Wir wollen in den nächsten Tagen versuchen, ob wir ihm dabei helfen können. Dafür müssen wir uns aber selber noch informieren, wer die richtigen Ansprechpartner sind. Die zweite Person aus Afghanistan durften wir allerdings nicht besuchen: Der Name, den er uns buchstabiert hat, stimmte nicht mit dem auf der Liste der Polizei (die wir nicht sehen dürfen) ein. Und wenn nur ein Buchstabe abweicht, dürfen wir die Person nicht besuchen.

Abends sind wir wieder zur Verteilung in das Industriegebiet gefahren. Etwa 30 Menschen haben uns dort trotz Regen, Kälte und Wind getroffen. Wir haben mit Care4Calais und anderen Organisationen alle, die wollten, mit wasserdichter Kleidung versorgt, Tee und Essen verteilt. Heute haben wir auch erlebt, wie es aussieht, wenn dabei die Polizei auftaucht: Sobald das Auto gesehen wird, rennen die Menschen Richtung Feld und Wald, um auf Distanz zu bleiben. Die Polizisten sind jedoch nicht ausgestiegen sondern nur vor unsere Autos gefahren – wahrscheinlich, um die Kennzeichen zu notieren. Danach fuhren sie weg und die Menschen kamen wieder zu uns.

Wir haben uns dort auch mit einem Eritreer unterhalten, der bereits gut Englisch spricht. In Frankreich halten sich viele Eritreer, Sudanesen und Afghanen auf. Auf die Frage, warum er sein Land verlassen hat, antwortete er nur: Eritrea ist eine Diktatur. Er möchte nach England, weil er dort Verwandte hat. 
Das CAO ( staatliche Unterkünfte)  in Le Havre hat er verlassen, weil die Versorgung dort nicht ausreichend ist. Da sei es besser, in den Wäldern und Straßen von Calais zu schlafen mit der Hoffnung, es doch eines Tages nach London zu schaffen. Wir möchten an dieser Stelle zum Abschluss einen Spiegel-Artikel aus 2016 zitieren, der von der EU-Politik und den Zuständen in afrikanischen Ländern, darunter Eritrea, befasst. Eritrea ist ein Staat, über den selbst Diplomaten offen sagen, er sei eine beinharte Diktatur. [...] Die Regierung habe in den vergangenen 25 Jahren systematisch Menschenrechtsverbrechen begangen, so ein aktueller Uno-Bericht. Sicherheitskräfte würden mit Billigung der Regierung willkürlich inhaftieren, foltern und töten. Und später: 

http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-kooperation-mit-afrika-gegen-fluechtlinge-fragwuerdige-freunde-a-1096544.html


+++Calais-Update 4.2.2017+++

Der tägliche Wahnsinn von Calais/Auf Patrouille/Besuch im Abschiebegefängnis

Der tägliche Wahnsinn von Calais

Wir sind immer noch ziemlich sprachlos und betrübt von unseren letzten Eindrücken. An einem abgelegenen Ort in einem Industriegebiet unweit des alten Jungles haben wir uns mit etwa 20 Flüchtenden getroffen und sie wenigstens mit dem Nötigsten versorgt: Wasserdichte Hosen und Jacken, Mützen, Schals, Handschuhe, einen warmen Tee und Essen. Jeden Abend kommen die Freiwilligen zu diesem abgelegenen Ort, von den Straßen, Wegen und aus dem anliegenden Waldstück kommen dann nach und nach die Menschen. Einige schlafen und leben bereits seit zwei Monaten auf der Straße oder in einem nahegelegenen Ankunftszentrum. Tagsüber hatten wir etwa sieben Grad und Regen. Geschätzt war keiner älter als 25 Jahre. Der Jüngste, den wir getroffen haben, Spitzname "Bambino", war gerade einmal 15 Jahre alt. Er ist hier allein.

Bei der Räumung von Calais hat die britische Regierung versprochen, unbegleitete Minderjährige aufzunehmen, die Verwandte auf der Insel haben. Kurz vor Weihnachten – da waren etwa 300 umgesiedelt – stoppte die Regierung das plötzlich. Seitdem sitzen hier noch immer viele Jugendliche fest. Enttäuscht von der europäischen Politik haben sie beschlossen, die Zentren zu verlassen und selbst zu versuchen nach Großbritannien zu kommen.

Der Dschungel war schon eine Zumutung. Insbesondere für die Frauen und Kinder. Was sich hier, in Calais, nach der Räumung abspielt, ist weitaus schlimmer. Die Stimmung bei uns ist gerade entsprechend gedrückt. Es fällt schwer, in die eigene Unterkunft zurückzukehren, während andere Menschen hier auf den Straßen übernachten.

Der Tag selbst begann für uns wie üblich in Calais. Wir haben die mitgebrachten Spenden aus unserem Transporter ausgeladen und einen weiteren. Den zweiten haben wir auch gleich mit Spenden, die in Calais nicht benötigt werden und für wohltätige Zwecke zurück nach England gehen, beladen. Anschließend standen Sortierarbeiten im Warehouse an. Im weiteren Verlauf haben wir uns aufgeteilt und verschiedene Aufgaben übernommen.

/Auf Patrouille/

Während der Patrouille fahren Freiwillige mit dem Auto, einige Spenden im Gepäck, durch Calais und halten Ausschau nach neu angekommenen Menschen. Stationen sind zum Beispiel der Hauptbahnhof, wo auch die Polizei immer wartet, bei vier Zügen waren in jedem Zug zwei Gruppen. Manche wurden von der Polizei abgefangen, andere sind davongekommen. Wo es uns möglich war, haben wir Klamotten und Essen gegeben, die erfreut entgegengenommen wurden.

/Besuch im Abschiebegefängnis/

Jeden Tag versuchen zwei Freiwillige, Menschen im Abschiebegefängnis zu besuchen. Dafür wird mittags in den drei Blöcken angerufen, wovon zumindest heute zwei Leitungen tot waren. Auf der anderen haben wir aber jemanden erreicht. Die Flüchtenden sollen uns dann möglichst viele Namen buchstabieren und benötigte Spenden sagen. Mit der Liste der Namen und den Spenden im Gepäck sind wir dann in das Gefängnis gefahren. Die Polizei soll launisch sein, wir hatten heute aber Glück und durften auf Anhieb rein, auch wenn wir nur zwei der vier gefragten Menschen besuchen durften. Von denen haben wir versucht, uns so viele Informationen wie möglich zu holen, um sie weiter unterstützen und ihren Weg weiterverfolgen können. Das gestaltete sich zwar schwierig, weil sie nur wenig Englisch sprachen, aber das Wichtigste konnte man austauschen. "Ihr seid wirklich gekommen", sagte einer der beiden dreimal innerhalb der 30 Minuten mit einem Lachen im Gesicht, als wir uns im Besucherraum getroffen haben. Über die Klamotten haben sie sich sehr gefreut und werden auch ihre Kollegen versorgen. Eine Polizistin sagte uns, dass allein gestern 16 Menschen inhaftiert wurden und das Abschiebegefängnis, in dem wir waren, mit 79 Insassen derzeit seine Kapazität erreicht hat.

Es gibt sehr viel mehr, was wir heute an Eindrücken gesammelt haben, aber gerade nicht in Worte fassen können. Ein anderer Freiwilliger fasste es vorhin so zusammen: Wir geben ihnen etwas Cola, Kleidung und Handschuhe – das ist alles, was wir tun können. Aber die Notwendigkeiten sind ganz andere.... ... Mehr...Weniger

+++Calais-Update 4.2.2017+++

Der tägliche Wahnsinn von Calais/Auf Patrouille/Besuch im Abschiebegefängnis

Der tägliche Wahnsinn von Calais

Wir sind immer noch ziemlich sprachlos und betrübt von unseren letzten Eindrücken. An einem abgelegenen Ort in einem Industriegebiet unweit des alten Jungles haben wir uns mit etwa 20 Flüchtenden getroffen und sie wenigstens mit dem Nötigsten versorgt: Wasserdichte Hosen und Jacken, Mützen, Schals, Handschuhe, einen warmen Tee und Essen. Jeden Abend kommen die Freiwilligen zu diesem abgelegenen Ort, von den Straßen, Wegen und aus dem anliegenden Waldstück kommen dann nach und nach die Menschen. Einige schlafen und leben bereits seit zwei Monaten auf der Straße oder in einem nahegelegenen Ankunftszentrum. Tagsüber hatten wir etwa sieben Grad und Regen. Geschätzt war keiner älter als 25 Jahre. Der Jüngste, den wir getroffen haben, Spitzname Bambino, war gerade einmal 15 Jahre alt. Er ist hier allein.

Bei der Räumung von Calais hat die britische Regierung versprochen, unbegleitete Minderjährige aufzunehmen, die Verwandte auf der Insel haben. Kurz vor Weihnachten – da waren etwa 300 umgesiedelt – stoppte die Regierung das plötzlich. Seitdem sitzen hier noch immer viele Jugendliche fest. Enttäuscht von der europäischen Politik haben sie beschlossen, die Zentren zu verlassen und selbst zu versuchen nach Großbritannien zu kommen.

Der Dschungel war schon eine Zumutung. Insbesondere für die Frauen und Kinder. Was sich hier, in Calais, nach der Räumung abspielt, ist weitaus schlimmer. Die Stimmung bei uns ist gerade entsprechend gedrückt. Es fällt schwer, in die eigene Unterkunft zurückzukehren, während andere Menschen hier auf den Straßen übernachten.

Der Tag selbst begann für uns wie üblich in Calais. Wir haben die mitgebrachten Spenden aus unserem Transporter ausgeladen und einen weiteren. Den zweiten haben wir auch gleich mit Spenden, die in Calais nicht benötigt werden und für wohltätige Zwecke zurück nach England gehen, beladen. Anschließend standen Sortierarbeiten im Warehouse an. Im weiteren Verlauf haben wir uns aufgeteilt und verschiedene Aufgaben übernommen.

/Auf Patrouille/

Während der Patrouille fahren Freiwillige mit dem Auto, einige Spenden im Gepäck, durch Calais und halten Ausschau nach neu angekommenen Menschen. Stationen sind zum Beispiel der Hauptbahnhof, wo auch die Polizei immer wartet, bei vier Zügen waren in jedem Zug zwei Gruppen. Manche wurden von der Polizei abgefangen, andere sind davongekommen. Wo es uns möglich war, haben wir Klamotten und Essen gegeben, die erfreut entgegengenommen wurden.

/Besuch im Abschiebegefängnis/

Jeden Tag versuchen zwei Freiwillige, Menschen im Abschiebegefängnis zu besuchen. Dafür wird mittags in den drei Blöcken angerufen, wovon zumindest heute zwei Leitungen tot waren. Auf der anderen haben wir aber jemanden erreicht. Die Flüchtenden sollen uns dann möglichst viele Namen buchstabieren und benötigte Spenden sagen. Mit der Liste der Namen und den Spenden im Gepäck sind wir dann in das Gefängnis gefahren. Die Polizei soll launisch sein, wir hatten heute aber Glück und durften auf Anhieb rein, auch wenn wir nur zwei der vier gefragten Menschen besuchen durften. Von denen haben wir versucht, uns so viele Informationen wie möglich zu holen, um sie weiter unterstützen und ihren Weg weiterverfolgen können. Das gestaltete sich zwar schwierig, weil sie nur wenig Englisch sprachen, aber das Wichtigste konnte man austauschen. Ihr seid wirklich gekommen, sagte einer der beiden dreimal innerhalb der 30 Minuten mit einem Lachen im Gesicht, als wir uns im Besucherraum getroffen haben. Über die Klamotten haben sie sich sehr gefreut und werden auch ihre Kollegen versorgen. Eine Polizistin sagte uns, dass allein gestern 16 Menschen inhaftiert wurden und das Abschiebegefängnis, in dem wir waren, mit 79 Insassen derzeit seine Kapazität erreicht hat.

Es gibt sehr viel mehr, was wir heute an Eindrücken gesammelt haben, aber gerade nicht in Worte fassen können. Ein anderer Freiwilliger fasste es vorhin so zusammen: Wir geben ihnen etwas Cola, Kleidung und Handschuhe – das ist alles, was wir tun können. Aber die Notwendigkeiten sind ganz andere....

Ein kurzes Zwischenupdate: Wir sind hier noch fleißig am Arbeiten und beladen gerade das Auto, um später noch eine Distribution zu organisieren. Über unseren Tag informieren wir euch später ausführlich. ... Mehr...Weniger

Ein kurzes Zwischenupdate: Wir sind hier noch fleißig am Arbeiten und beladen gerade das Auto, um später noch eine Distribution zu organisieren. Über unseren Tag informieren wir euch später ausführlich.